Der Kochboxenversand kappt zum wiederholten Mal seine Jahresziele — und diesmal fällt die Reaktion an der Börse besonders heftig aus. Die Aktie rutschte im regulären Handel um 6,15 Prozent ab und markierte damit ein neues Rekordtief. Im nachbörslichen Handel auf Tradegate ging es um weitere vier Prozent auf 2,44 Euro bergab.
Damit hat sich der Kursverlust seit Jahresbeginn auf knapp 60 Prozent aufgetürmt. Zur Einordnung: Auf dem Höhepunkt der Corona-Nachfrage 2021 kosteten Hellofresh-Papiere fast 100 Euro, die Marktkapitalisierung lag bei mehr als 16 Milliarden Euro. Heute ist das Unternehmen an der Börse weniger als 400 Millionen Euro wert.
Schwache Neukundengewinnung als Kernproblem
Auslöser der jüngsten Talfahrt ist eine deutlich verfehlte Prognose für das dritte Quartal. Die für die Neukundengewinnung entscheidende Back-to-School-Saison lieferte nicht die erhofften Zuwächse. Als Grund nennt das Unternehmen selbst die reduzierten Marketingausgaben im Jahresvergleich — wer weniger in Werbung investiert, gewinnt offenbar auch weniger neue Kunden.
Für das dritte Quartal rechnet Hellofresh nun mit einem bereinigten EBITDA zwischen 45 und 55 Millionen Euro, während Analysten im Schnitt 57,2 Millionen Euro erwartet hatten. Beim Umsatz plant das Unternehmen mit einem währungsbereinigten Rückgang von 11 bis 12 Prozent — deutlich mehr als die von Analysten erwarteten 6,8 Prozent.
Die Korrektur zieht sich durch das gesamte Geschäftsjahr. Statt der bisherigen Spanne von 375 bis 425 Millionen Euro peilt das Unternehmen nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 350 und 370 Millionen Euro an, währungsbereinigt. Beim Umsatz erwartet Hellofresh einen Rückgang zwischen 9 und 11 Prozent, statt zuvor angepeilter 3 bis 6 Prozent.
Vom DAX-Mitglied zum Nebenwert
Der rapide Wertverlust markiert auch einen symbolischen Abstieg. Zwischen September 2021 und September 2022 war Hellofresh wegen seines hohen Börsenwerts sogar im DAX gelistet, mittlerweile findet sich das Papier nur noch im SDAX wieder. Seit dem Börsengang 2017 zum Ausgabepreis von 10,25 Euro hat die Aktie damit einen Bogen durchlaufen, der von der Euphorie der Pandemiejahre bis zum aktuellen Rekordtief reicht.
Die Zahlen zum dritten Quartal will Hellofresh am 5. November veröffentlichen. Bis dahin dürfte die Frage im Raum stehen, ob das Unternehmen seine Marketingstrategie überdenkt oder an der Sparlinie festhält, die zuletzt maßgeblich zur schwachen Neukundenentwicklung beigetragen hat.
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