Ausgangslage
Heidelberger Druckmaschinen treibt seinen Umbau weiter voran. Die Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies (HDAT) baut mit dem Schweizer Technologie-Entwickler PHENOGY eine europäische Wertschöpfungskette für die industrielle Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriespeichern auf – die Partnerschaft wurde bereits im Juli bekanntgegeben, HDAT treibt das Vorhaben nun weiter voran.
Parallel dazu läuft die im Juni bei der ILA Berlin vorgestellte Kooperation mit dem ukrainischen Entwickler Skyeton, die eine industrielle Produktion autonomer Luft-Boden-Systeme für die Drohnenabwehr am Standort Brandenburg vorsieht.
Diese beiden Vorhaben sind der eigentliche Grund, warum der Blick auf Heidelberger Druckmaschinen derzeit über das klassische Druckmaschinengeschäft hinausgeht. Der Konzern versucht, sich von einem strukturell schrumpfenden Kerngeschäft zu lösen und neue Standbeine in Zukunftstechnologien zu etablieren.
Ob das gelingt, entscheidet über die Bewertung der Aktie weit mehr als die jüngste Quartalsmitteilung, die vor gut einer Woche einen Umsatzrückgang und einen ausgeweiteten Nettoverlust zeigte.
Die entscheidende Frage
Für Anleger läuft alles auf eine Frage zu: Schafft es Heidelberger Druckmaschinen, aus Ankündigungen wie PHENOGY und Skyeton tatsächlich belastbare Umsatzbeiträge zu generieren, bevor das klassische Druckmaschinengeschäft weiter erodiert?
Beide Kooperationen befinden sich im Aufbau – von einer laufenden Serienfertigung ist bislang nicht die Rede. Entscheidend wird sein, ob HDAT in den kommenden Quartalen erste Bestellungen oder Pilotaufträge vorweisen kann, die über reine Absichtserklärungen hinausgehen.
Gleichzeitig bleibt die Marge im Stammgeschäft der eigentliche Belastungsfaktor. Das Management hat die Jahresprognose trotz eines schwachen Auftaktquartals bestätigt und einen Umsatz auf Vorjahresniveau von rund 2,29 Milliarden Euro sowie eine spürbare Verbesserung der bereinigten EBITDA-Marge gegenüber dem Vorjahreswert von 6,6 Prozent in Aussicht gestellt. Ob diese Marge tatsächlich steigt, wird sich erst im weiteren Jahresverlauf zeigen.
Bullisches Szenario
Gelingt es Heidelberger Druckmaschinen, die Diversifizierung in Batteriespeicher und Drohnenabwehr mit ersten konkreten Aufträgen zu unterlegen, könnte die Aktie eine Neubewertung erfahren – weg vom reinen Zykliker der Druckindustrie, hin zu einem Industriekonzern mit Zugang zu Wachstumsmärkten.
Unterstützung liefert dabei auch der Kapazitätsabbau im Kerngeschäft: Mit dem Abschluss der Produktionsverlagerung der Baureihe Speedmaster CX 104 nach China und der Inbetriebnahme eines neuen Werks in Nordmazedonien senkt der Konzern seine Fertigungskosten strukturell.
Zusammen mit der Integration des Lifecycle-Geschäfts von manroland sheetfed und der POLAR-Produktion soll das Kerngeschäft abgesichert werden, während die neuen Sparten Zeit zum Wachsen bekommen. Auch der jüngste Aktienkauf von Vorstandschef Jürgen Otto, der Mitte August eigene Aktien im Wert von rund 80.711 Euro erwarb, lässt sich als Signal für Vertrauen in den eingeschlagenen Weg lesen.
Bärisches Risiko
Das Risiko liegt in der Geschwindigkeit. Batteriespeicher und Drohnenabwehr sind Zukunftsmärkte mit langen Entwicklungs- und Zertifizierungszyklen – Umsätze in nennenswerter Größenordnung könnten Jahre entfernt sein.
Bis dahin muss das Kerngeschäft die Cash-Verluste tragen: Das bereinigte EBITDA brach im ersten Quartal auf nur noch 1 Millionen Euro ein, der Nettoverlust weitete sich auf 32 Millionen Euro aus.
Bleibt die Erholung im klassischen Druckgeschäft aus, während die neuen Geschäftsfelder noch keine Erträge liefern, droht eine Phase, in der der Konzern zwei Baustellen gleichzeitig finanzieren muss, ohne dass eine davon bereits trägt. Zudem bleiben beide Partnerschaften – mit PHENOGY wie mit Skyeton – in einer frühen Aufbauphase, deren wirtschaftlicher Erfolg nicht garantiert ist.
Ausblick
Der Aktienkurs hat sich zuletzt stabilisiert und liegt oberhalb seines 50-Tage-Durchschnitts, was für eine vorsichtige Beruhigung nach den schwachen Quartalszahlen spricht. Solange Heidelberger Druckmaschinen glaubhaft vermitteln kann, dass PHENOGY und Skyeton mehr sind als Ankündigungen, dürfte die Story vom Industrieumbau die Aktie stützen.
Kippt dagegen der Eindruck, dass diese Projekte im Stadium der Absichtserklärung verharren, während das Kerngeschäft weiter Verluste produziert, würde die Bewertung wieder stärker auf die roten Zahlen im Stammgeschäft zurückfallen.
Der nächste konkrete Prüfstein dürfte die kommende Quartalsberichterstattung sein, in der sich zeigen muss, ob die versprochene Margenverbesserung tatsächlich Fahrt aufnimmt.
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