Die Aktionäre von Heidelberger Druckmaschinen haben sich am 23. Juli auf der ordentlichen Hauptversammlung erneut auf einen Nullsatz eingestellt. Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/2026 fließt keine Dividende – bereits das vierte Jahr in Folge. Der Konzern begründet den Verzicht damit, die Liquidität vorrangig in die laufende Transformation zu stecken statt sie an die Anteilseigner auszuschütten.
Wirtschaftlich steht der Traditionskonzern dabei nicht mit leeren Händen da: Für das Geschäftsjahr weist Heidelberger Druckmaschinen einen Nettogewinn von 15 Millionen Euro aus, der Umsatz blieb mit 2,293 Milliarden Euro stabil. Der Gewinn reicht offenbar nicht aus, um von der strikten Sparlinie abzuweichen – ein Signal, dass der Umbau noch nicht abgeschlossen ist und weiter Kapital bindet.
Neue Ermächtigung für Aktienrückkäufe
Neben der Dividendenfrage stimmten die Aktionäre auch über die Kapitalstruktur ab. Der Vorstand erhielt eine neue Ermächtigung, eigene Aktien im Umfang von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals zu erwerben. Die Ermächtigung läuft bis zum 24. Juli 2029 und verschafft dem Management damit über mehrere Jahre Flexibilität, sollte sich die Gelegenheit für Rückkäufe ergeben. Ob und wann der Vorstand davon Gebrauch macht, ließ die Hauptversammlung offen.
Die Beschlüsse fallen in eine Phase, in der der Aktienkurs weiterhin unter Druck steht. Zum Freitagsschluss notierte das Papier bei 1,35 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 33,40 Prozent im Minus. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand 17,79 Prozent nach unten – ein Hinweis darauf, dass sich der mittelfristige Abwärtstrend trotz der Nähe zum 52-Wochen-Tief noch nicht gedreht hat.
Drohnenabwehr als neues Standbein
Abseits der Kapitalmarktfragen treibt Heidelberger Druckmaschinen sein Engagement im Verteidigungsbereich voran. Das Joint Venture ONBERG, das der Konzern gemeinsam mit Ondas Autonomous Systems betreibt, unterzeichnete auf der Luftfahrtmesse ILA im Juni eine Absichtserklärung mit einem ukrainischen Partner. Ziel der Kooperation ist die Industrialisierung von Drohnenabwehrsystemen – ein Geschäftsfeld, das mit dem klassischen Druckmaschinengeschäft wenig gemein hat, aber zeigt, wie breit der Konzern seine Transformation inzwischen anlegt.
Für Anleger dürfte der nächste konkrete Prüfstein bereits feststehen: Am 19. August legt Heidelberger Druckmaschinen die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 vor. Erst dann zeigt sich, ob der auf der Hauptversammlung skizzierte Sparkurs operativ Früchte trägt oder ob der Konzern erneut Nachsteuerungsbedarf signalisiert. Bis dahin bleibt die neue Rückkaufermächtigung ein Instrument in der Hinterhand, dessen Einsatz vom weiteren Kursverlauf und der Innenfinanzierung abhängen dürfte.
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