Heidelberger Druckmaschinen bleibt auf Sparkurs. Am Donnerstag stimmten die Aktionäre auf der virtuellen Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2025/26 allen Beschlussvorschlägen der Verwaltung zu – darunter auch der Verwendung des Bilanzgewinns für eine Dividenden-Nullrunde. Das Unternehmen hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 15 Millionen Euro erzielt, verzichtet aber dennoch auf eine Ausschüttung. Die Begründung: Die Liquidität soll vollständig für die laufende strategische Transformation des Konzerns bereitstehen.
Neue Geschäftsfelder sollen Wachstum bringen
Während die Dividende ausfällt, treibt Heidelberger Druckmaschinen den Umbau in Richtung neuer Technologiefelder voran. Am Dienstag gab der Konzern eine Industriepartnerschaft zwischen seiner Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies GmbH und der Luzerner PHENOGY AG bekannt. Im Rahmen der Vereinbarung übernimmt Heidelberger die industrielle Serienfertigung kompletter Natrium-Ionen-Energiespeichersysteme für den Schweizer Partner. Damit setzt der Konzern seine Diversifizierung in Richtung Energiespeichertechnik fort, die bereits mit dem Start der Sparte ONBERG am 10. Juni sichtbar wurde. Das Joint Venture mit Ondas Autonomous Systems entwickelt und fertigt am Standort Brandenburg an der Havel Drohnenabwehrsysteme für den Sicherheits- und Verteidigungssektor.
Auch im angestammten Druckmaschinengeschäft justiert Heidelberger seine Aufstellung. Am 1. Juli unterzeichnete der Konzern eine Vereinbarung zur Übernahme der Produktion von POLAR-Maschinen und -Systemen und integriert deren Entwicklung künftig vollständig in die eigene Organisation. Ziel ist eine stärkere Marktposition im Verpackungs- und Etikettendruck. Am selben Tag schloss Heidelberger zudem die Integration des weltweiten Lifecycle-Geschäfts – also Service und Ersatzteile – sowie von 35 Ländergesellschaften der manroland sheetfed Gruppe ab. Verkäufer der Transaktion war Langley Holdings; laut Reuters zielt der Schritt darauf ab, die wiederkehrenden Erlöse des Konzerns auszubauen.
Geschäftszahlen zeigen den Druck hinter dem Umbau
Der Blick auf die zugrunde liegenden Zahlen erklärt, warum Heidelberger derart konsequent umbaut. Im Geschäftsjahr 2025/26 mit Stichtag 31. März sank der Konzernumsatz auf 2,293 Milliarden Euro nach 2,39 Milliarden Euro im Vorjahr. Die bereinigte EBITDA-Marge gab von 7,2 auf 6,6 Prozent nach, der Auftragseingang fiel um 8 Prozent auf 2,246 Milliarden Euro. Diese Kennzahlen unterstreichen, dass das klassische Druckmaschinengeschäft unter Druck steht und neue Erlösquellen wie Energiespeicher oder Sicherheitstechnik an Bedeutung gewinnen müssen, um den Konzern langfristig zu stabilisieren.
Für die kommenden Monate hat Heidelberger bereits Termine gesetzt: Am 19. August legt der Konzern die Zahlen zum ersten Quartal 2026/27 vor, am 12. November folgt der Bericht zum zweiten Quartal. Diese Veröffentlichungen dürften zeigen, ob die neuen Geschäftsfelder bereits erste Impulse liefern oder der Umbau vorerst weiter zulasten der Profitabilität geht.
Kurs bleibt in der Nähe des Jahrestiefs
An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage im Kursverlauf wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,35 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 33,40 Prozent im Minus. Zum erst im März markierten 52-Wochen-Tief beträgt der Abstand nur noch 4,64 Prozent – der Titel notiert also nahe seinem Jahrestief und hat von der jüngsten Nachrichtenflut rund um Partnerschaften und Übernahmen bislang kaum profitiert. Anleger dürften die im August anstehenden Quartalszahlen als nächsten wichtigen Prüfstein für die Umbaustrategie werten.
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