Heidelberger Druckmaschinen Aktie: ONBERG-Sparte seit April operativ

Heidelberger Druckmaschinen verweigert Aktionären trotz Nettogewinn die Dividende und investiert in Transformation und Rüstungsdiversifikation.

Auf einen Blick:
  • Nullrunde bei der Dividende trotz Gewinn
  • Umsatz und Auftragseingang rückläufig
  • Diversifikation in Drohnenabwehr und Rüstung
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief

Am 23. Juli 2026 stimmen die Aktionäre virtuell über das abgelaufene Geschäftsjahr 2025/2026 ab – und müssen sich erneut mit einer Dividenden-Nullrunde abfinden. Das ist bemerkenswert, weil der Konzern für das Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 15 Millionen Euro auswies. Der Vorstand schlägt dennoch vor, die Mittel vollständig in die laufende Transformation und neue Geschäftsfelder zu stecken, wie das Unternehmen mitteilte.

Schwaches Kerngeschäft, Verlust in Sicht

Die im Juni veröffentlichten Jahreszahlen zeigen die Schwächephase im angestammten Druckmaschinengeschäft. Der Umsatz lag bei 2,293 Milliarden Euro, die bereinigte EBITDA-Marge sank von 7,1 auf 6,6 Prozent. Der Auftragseingang brach um 8 Prozent auf 2,246 Milliarden Euro ein. Für das laufende Geschäftsjahr 2026/2027 hatte der Vorstand bereits im Mai einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt. Als Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen hohe Transformationskosten sowie eine Investitionszurückhaltung von Kunden infolge des Iran-Konflikts.

Um die Kostenbasis zu senken, hatte Heidelberger Druckmaschinen bereits Ende 2024 einen Stellenabbau am Stammsitz Wiesloch-Walldorf angekündigt. Reuters berichtete damals von rund 450 wegfallenden Stellen; zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 550 Aufhebungsverträge unterzeichnet worden. Die daraus resultierenden Einsparungen sollen inzwischen zur laufenden Ergebnisrechnung beitragen, während die Transformationskosten die Bilanz weiter belasten.

Diversifikation über Rüstung und Drohnenabwehr

Parallel zum schrumpfenden Kerngeschäft treibt der Konzern seine Diversifikation voran. Bereits im Sommer 2025 war eine Kooperation mit Vincorion Advanced Systems bekannt geworden, im Rahmen derer Heidelberger Druckmaschinen Regelungstechnik und Energieverteilungssysteme für die Rüstungsindustrie liefert. Seit April 2026 ist zudem die neue Sparte „ONBERG“ operativ, ein Joint Venture mit Sitz in Brandenburg an der Havel, das autonome Drohnenabwehr-Systeme entwickelt. Beide Vorhaben sollen dem Konzern Standbeine jenseits des strukturell schrumpfenden Druckmaschinengeschäfts verschaffen.

Im angestammten Servicegeschäft setzt das Unternehmen dagegen auf Konsolidierung statt Neuerfindung. Ende Juni erwarb Heidelberger Druckmaschinen das Service- und Ersatzteilgeschäft sowie technologische Vermögenswerte der manroland sheetfed Gruppe, um den margenstarken After-Sales-Bereich zu stärken; über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Anfang Juli meldete der Konzern den Abschluss der Integration des weltweiten Lifecycle-Geschäfts von manroland sheetfed. Rund 600 Mitarbeiter und 35 Gesellschaften wechselten dabei zu Heidelberger Druckmaschinen, verbunden mit Zugriff auf mehr als 3.000 zusätzliche Servicekunden.

Kurs nahe Jahrestief, Großaktionär hatte reduziert

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Ergebnisdruck und Umbau in einem anhaltend schwachen Kurs wider. Die Aktie schloss zuletzt bei 1,33 Euro und liegt seit Jahresbeginn 34,38 Prozent im Minus. Damit notiert das Papier nur knapp über dem im März markierten 52-Wochen-Tief von 1,29 Euro. Bereits im Januar hatte der Großaktionär Masterwork Machinery, der laut einer Mitteilung an die Finanzaufsicht eine enge Beziehung zum Aufsichtsrat unterhält, Aktien im Gesamtwert von 102.750 Euro zu einem Durchschnittskurs von 2,10 Euro verkauft – zu einem Niveau, das inzwischen deutlich über dem aktuellen Kurs liegt.

Für die Hauptversammlung am 23. Juli dürfte die Nullrunde trotz Gewinn im Zentrum der Aktionärsdebatte stehen. Am 19. August folgt mit der Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026/2027 der nächste Termin, an dem sich zeigen muss, ob die neuen Geschäftsfelder das schwächelnde Kerngeschäft tatsächlich auffangen können.

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