Vom Traditionsdrucker zum Rüstungszulieferer. Heidelberger Druckmaschinen baut den Konzern massiv um. Der Preis dafür ist hoch. Seit Jahresbeginn brach die Aktie um fast 30 Prozent ein. Vor der Hauptversammlung im Juli herrscht tiefe Skepsis am Kapitalmarkt.
Verlustwarnung belastet die Stimmung
Der Vorstand rechnet für das Geschäftsjahr 2026/27 mit einem Nettoverlust. Dieser dürfte im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. Die Umsätze sollen dabei stabil bleiben. Hohe Strukturkosten und teure Anlaufphasen für neue Geschäftsfelder belasten die Bilanz.
Im abgelaufenen Jahr 2025/2026 stand noch ein Nettogewinn in den Büchern. Der Umsatz stieg leicht auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Allerdings schrumpfte der Auftragseingang um acht Prozent. Auch die operative Marge gab nach.
Produktion wandert ab
Als Reaktion auf den Margendruck senkt das Management die Kosten. Die Fertigung verlagert sich zunehmend ins Ausland. Das meistverkaufte Modell produziert der Konzern mittlerweile komplett im chinesischen Qingpu. Parallel dazu erweitert Heidelberger die Montage in Nordmazedonien.
Am deutschen Stammsitz Wiesloch-Walldorf fallen rund 450 Stellen weg. Konzernchef Jürgen Otto meldet bereits Vollzug. Das Unternehmen hat mehr als 550 Aufhebungsverträge abgeschlossen. So will der Vorstand die Personalkosten strukturell senken.
Drohnenabwehr statt Druckmaschinen
Ein Teil der Belegschaft bekommt eine neue Aufgabe. Bis zu 200 Mitarbeiter wechseln aus dem Kerngeschäft in die Verteidigungstechnik. Hier forciert Heidelberger den Aufbau eines völlig neuen Standbeins.
Im April 2026 startete das Joint Venture ONBERG in Brandenburg an der Havel. Heidelberger hält 49 Prozent der Anteile. Die Mehrheit liegt beim Partner Ondas Autonomous Systems. Gemeinsam entwickeln sie autonome Drohnenabwehrsysteme für kritische Infrastrukturen.
Die ersten Systeme gehen nach Deutschland und in die Ukraine. Zusätzlich plant das Bündnis eine NATO-konforme Serienproduktion von Aufklärungsdrohnen. Dafür existiert bereits eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Hersteller Skyeton.
Kasse und Kurs unter Druck
Der teure Umbau zehrt an den Reserven. Der freie Cashflow rutschte zuletzt mit 19 Millionen Euro ins Minus. Auch im laufenden Jahr wird dieser Wert negativ bleiben. Heidelberger stockte daher die Kreditlinie auf 436 Millionen Euro auf. Das sichert die Liquidität bis 2030.
An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 1,42 Euro. Damit notiert das Papier deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt. Das Jahrestief rückt in greifbare Nähe.
Die Unternehmensführung verspricht für die Zukunft eine spürbare Margenverbesserung. Effizienzmaßnahmen und Digitalisierung sollen das Ergebnis stützen. Im Juli müssen die Verantwortlichen auf der Hauptversammlung in Mannheim beweisen, dass dieser Plan aufgeht.
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