Heidelberger Druckmaschinen ist schwach in das neue Geschäftsjahr gestartet. Im ersten Quartal bis Ende Juni brach der Umsatz um 13 Prozent auf 404 Millionen Euro ein, das bereinigte EBITDA fiel von 20 auf nur noch 1 Million Euro.
Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 32 Millionen Euro, nach einem Minus von 11 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Auftragseingang sank um 4 Prozent auf 537 Millionen Euro, wobei ein auslaufendes Italien-Programm allein 60 Millionen Euro an fehlenden Bestellungen ausmachte.
Trotz der roten Zahlen hält der Vorstand an den Jahreszielen fest: Ein stabiler Umsatz und eine spürbare Verbesserung der EBITDA-Marge sollen im weiteren Geschäftsjahr noch erreicht werden. Das ist eine gewagte Ansage angesichts einer bereinigten EBITDA-Marge von nur 0,2 Prozent im ersten Quartal, verglichen mit 4,4 Prozent im Vorjahr. Der freie Cashflow blieb mit minus 77 Millionen Euro tief negativ, nach minus 68 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Auftragsbestand wächst trotz schwacher Bestellungen
Ein Lichtblick versteckt sich in den Details: Der Auftragsbestand kletterte auf 762 Millionen Euro, nach 639 Millionen Euro Ende März. Das deutet darauf hin, dass abgearbeitete Aufträge langsamer abfließen als neue hereinkommen könnten – ein Signal, das Warburg Research aufgriff.
Analyst Stefan Augustin bestätigte am heutigen Mittwoch die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 1,80 Euro und lobte den aus seiner Sicht ordentlichen Auftragseingang trotz des insgesamt schwachen ersten Quartals.
Der Kapitalmarkt reagierte dennoch nüchtern bis skeptisch auf die Zahlen. Die Aktie fiel im Tagesverlauf deutlich und notiert aktuell bei 1,36 Euro, ein Minus von 5,2 Prozent. Damit bewegt sich das Papier nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 1,29 Euro, das erst im März markiert wurde.
Die Diskrepanz zwischen der optimistischen Analystenstimme und der Kursreaktion zeigt, wie sehr Anleger operative Substanz einfordern statt bloßer Bestätigungen der Jahresprognose.
Strategischer Umbau läuft parallel weiter
Parallel zur Ergebnisvorlage verwies das Unternehmen auf mehrere strategische Initiativen, die über das klassische Druckmaschinengeschäft hinausreichen: ein Gemeinschaftsunternehmen mit Skyeton im Bereich Drohnenabwehr sowie den Einstieg in Natrium-Ionen-Batteriespeicher.
Zudem verlagert Heidelberger Druckmaschinen die Produktion der Speedmaster CX 104 nach China und baut einen neuen Standort in Nordmazedonien auf – Schritte, die auf eine Neuausrichtung der Kostenstruktur hindeuten.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die bestätigte Jahresprognose angesichts der Ausgangslage im ersten Quartal noch realistisch ist. Ein Kommentar zu den Zahlen brachte es pointiert auf den Punkt: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 und einem Gewinn je Aktie von 0,05 Euro stellt sich die Frage, ob das Unternehmen die Transformationsrechnung tatsächlich unter Kontrolle hat.
Die kommenden Quartale werden zeigen müssen, ob sich der gestiegene Auftragsbestand tatsächlich in eine Margenverbesserung übersetzt – oder ob die Jahresziele nachjustiert werden müssen.
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