Heidelberger Druckmaschinen liefert ein klassisches Kontrastprogramm. Der Maschinenbauer verdreifacht seinen Jahresgewinn und kappt prompt die Prognose für das laufende Jahr. Das Management streicht die Dividende und verlagert Teile der Produktion ins Ausland. Ein harter Schnitt.
Auf den ersten Blick glänzt die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr. Der Umsatz blieb mit knapp 2,3 Milliarden Euro stabil. Parallel dazu steigerte das Unternehmen den Nettogewinn auf 15 Millionen Euro. Auch das operative Ergebnis legte spürbar zu.
Ein Blick auf die Details offenbart allerdings Risse. Die bereinigte operative Marge sank auf 6,6 Prozent. Vor allem das Schlussquartal verhagelte die Bilanz. Hier brachen die Erlöse um zehn Prozent ein. Am Ende verbuchte der Konzern für die letzten drei Monate einen Nettoverlust.
Verlustwarnung und Nullrunde
Der eigentliche Schock folgt beim Ausblick. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Der freie Cashflow bleibt voraussichtlich negativ. Aktionäre gehen bei der Dividende komplett leer aus. Das Management begründet diesen Einbruch mit hohen Anlaufkosten für neue Geschäftsfelder.
Produktion wandert ab
Um die Kosten in den Griff zu bekommen, greift das Unternehmen hart durch. Der Vorstand verlagert die Produktion der Baureihe Speedmaster vollständig nach China. Zusätzlich baut Heidelberg einen neuen und günstigeren Standort in Nordmazedonien auf. Über 550 Mitarbeiter haben im Zuge des Umbaus bereits Aufhebungsverträge unterschrieben.
Rüstung als vager Hoffnungsträger
Abseits des klassischen Druckgeschäfts sucht der Konzern neue Einnahmequellen. Eine eigene Verteidigungssparte soll künftig Geld mit Drohnenabwehr verdienen. Aktuell steuert dieser Bereich weniger als zwei Prozent zum Gesamtumsatz bei. Nennenswerte Erlöse erwartet das Management hier erst in der zweiten Jahreshälfte.
An der Börse sorgt der harte Sanierungskurs für wilde Ausschläge. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,58 Euro und verzeichnete damit ein starkes Wochenplus. Seit Jahresanfang steht dennoch ein Minus von über 22 Prozent auf der Kurstafel.
Die erste Bewährungsprobe für den Umbauplan folgt am 23. Juli. Dann muss der Vorstand den Aktionären auf der virtuellen Hauptversammlung konkrete Fortschritte präsentieren. Die Investoren fordern klare Belege, dass die Produktionsverlagerung schnell erste Einsparungen bringt.
