Drohnenabwehr statt Druckmaschinen — Heidelberger Druckmaschinen treibt seinen Konzernumbau mit einer neuen Tochtergesellschaft voran. Die Transformation kostet Geld, zeigt aber erste strukturelle Konturen.
Neue Einheit bündelt Defense-Ambitionen
Heidelberger hat alle Aktivitäten in den Bereichen Defense, Energie, Ladeinfrastruktur und industrielle Systemlösungen unter der neu gegründeten HD Advanced Technologies GmbH zusammengefasst. Das ist kein reines Organigramm-Manöver. In Brandenburg an der Havel läuft bereits die Produktion — in einer 30.000-Quadratmeter-Anlage, wo früher Präzisionsteile für Druckmaschinen entstanden.
Herzstück ist das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems, gegründet gemeinsam mit Ondas Autonomous Systems. Im Mai präsentierte ONBERG auf einer Bundeswehr-Fachmesse in Erding ein modulares Drohnenabwehrsystem. Es kombiniert Detektion, Führung und Wirkmittel in einem Paket. Bis zu 200 Mitarbeiter aus dem Kerngeschäft sollen in den Verteidigungsbereich wechseln.
Zahlen: Gewinn steigt, Cashflow fällt
Das operative Bild bleibt zweischneidig. Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Geschäftsjahr leicht auf 2,293 Milliarden Euro. Der Nettogewinn verdreifachte sich auf 15 Millionen Euro.
Allerdings rutschte der freie Cashflow auf minus 19 Millionen Euro. Investitionen in neue Technologien und Abfindungskosten schlugen stark zu Buche. Heidelberger hat bereits mehr als 550 Aufhebungsverträge abgeschlossen, um die Personalkostenbasis anzupassen.
Für 2026/27 peilt das Management eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 7 Prozent an — nach 6,6 Prozent im Vorjahr. Der Umsatz soll stabil bleiben.
Analysten und nächste Termine
Warburg Research hob das Kursziel auf 1,60 Euro an. mwb research senkte den fairen Wert minimal auf 2,50 Euro, bestätigte aber die Kaufempfehlung. Das deutet auf erhebliches Aufwärtspotenzial hin — wenn der Umbau liefert.
Am 22. Juni tritt das Management auf der Industrial Technology-Konferenz von mwb research auf. Anleger bekommen dort die nächste Gelegenheit, konkrete Fortschritte direkt zu hören. Die Hauptversammlung folgt am 23. Juli, die Quartalszahlen für Q1 2026/27 am 19. August.
Die Aktie notiert bei 1,53 Euro und liegt damit rund 3,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn steht jedoch ein Minus von fast 25 Prozent — der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,74 Euro ist noch weit entfernt.
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