Am 10. Juni legt Heidelberger Druckmaschinen die geprüften Geschäftszahlen für 2025/26 vor. Der Termin kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Die Aktie hat auf Jahressicht fast 30 Prozent verloren und kreuzte zuletzt die 20-Tage-Linie nach unten.
Marge verfehlt, Umsatz erreicht
Die bereinigte EBITDA-Marge dürfte bei rund 6,6 Prozent landen — unter der ursprünglichen Prognose von 7,1 Prozent. Das Unternehmen nennt drei Gründe: vorgezogene Investitionen in neue Geschäftsfelder, eine abrupt nachlassende Investitionsbereitschaft der Kunden seit Ende Februar 2026 und einen ungünstigen Produktmix im vierten Quartal.
Beim Umsatz sieht es besser aus. Das währungsbereinigte Umsatzziel erreicht Heidelberg nach vorläufigen Zahlen. Auch der Auftragseingang und die Funktionskosten liegen im Zielbereich.
Drohnenabwehr als Wachstumswette
Der Jahresbericht wird erstmals Detailzahlen zur neuen Verteidigungssparte liefern. Heidelbergs Tochter HD Advanced Technologies (HDAT) hat gemeinsam mit dem amerikanisch-israelischen Unternehmen Ondas Autonomous Systems das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems gestartet — am Standort Brandenburg an der Havel.
ONBERG baut einen integrierten Anbieter für Drohnenabwehr auf: von der Entwicklung bis zur Serienfertigung. Getestet werden die Systeme in Deutschland und der Ukraine unter realen Einsatzbedingungen.
Bislang liefert das Defense-Segment weniger als zwei Prozent des Gesamtumsatzes. Die hohen Anlaufkosten drücken die aktuelle Rendite spürbar. Das Management sieht darin eine notwendige Diversifizierung weg vom zyklischen Druckmarkt.
Regulatorischer Rückenwind, aber noch keine Verträge
Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet rund 2.000 deutsche Einrichtungen zum besseren Schutz kritischer Infrastruktur. ONBERG zielt auf genau diesen Markt — von militärischen Anwendungen bis zum Schutz von Industrieparks und Verkehrsinfrastruktur.
Das Problem: Heidelberg steckt noch in der Demonstrationsphase. Messbare Vertragsabschlüsse fehlen bisher. Ob ONBERG in den Zahlen als konkreter Wachstumsbeitrag sichtbar wird, entscheidet sich in den kommenden Quartalen — und der Markt wartet genau darauf, wenn am 10. Juni die Bücher geöffnet werden.
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