Heidelberg Materials knüpft künftige Projekte zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung an einen wirksamen und verlässlichen europäischen CO₂-Preis. Das Unternehmen äußerte diese Forderung am Mittwoch Medienberichten zufolge im Zusammenhang mit der Pause des GeZero-Projekts. Für Anleger rückt damit die wirtschaftliche Umsetzbarkeit der Klimaprojekte in den Mittelpunkt: Technische Möglichkeiten allein reichen für solche Vorhaben nicht aus.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheiden
Die Aussage konkretisiert die Voraussetzungen für weitere CCS-Projekte. Heidelberg Materials verlangt nicht lediglich einen CO₂-Preis, sondern betont ausdrücklich dessen Wirksamkeit und Verlässlichkeit. Damit steht die Frage im Raum, unter welchen Bedingungen sich die Abscheidung und Speicherung wirtschaftlich umsetzen lässt.
Den Hintergrund bildet das vor rund zwei Wochen in seiner bisherigen Form ausgesetzte GeZero-Projekt am Standort Geseke. Heidelberg Materials will dessen Konfiguration überarbeiten. Als Gründe nannte das Unternehmen unzureichende wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen. Hinzu kommen noch nicht ausreichend entwickelte Transport- und Speicherketten für das abgeschiedene CO₂.
Die Projektpause ist deshalb von der laufenden Zementproduktion zu unterscheiden. Der Betrieb des Werks ist nach Unternehmensangaben nicht unmittelbar betroffen. Ebenso wenig bedeutet die Überarbeitung einen bestätigten endgültigen Verzicht auf das Vorhaben. Für die Bewertung zählt vielmehr, ob eine veränderte Konfiguration unter tragfähigen Bedingungen umgesetzt werden kann.
Britisches Straßenprojekt zeigt anderen Ansatz
Parallel erprobt Heidelberg Materials emissionsärmere Bauverfahren im praktischen Einsatz. Am Mittwoch berichtete die britische Gesellschaft über die Sanierung eines 1,5 Meilen langen Abschnitts der A689 in Cumbria. Dabei kamen CarbonLock-Biobitumen und ein elektrischer Straßenfertiger zum Einsatz.
Nach Unternehmensangaben verursachte das Projekt 21 % weniger CO₂ als der Einsatz von Standard-Heißmischasphalt. Die Angabe bezieht sich auf das konkrete Straßenbauprojekt. Sie ist damit ein Beleg für die dort erzielte Emissionsminderung, aber kein Maßstab für die Wirtschaftlichkeit großtechnischer CO₂-Abscheidung.
Beide Entwicklungen markieren unterschiedliche Anforderungen an die Umsetzung emissionsärmerer Verfahren. Während Heidelberg Materials in Großbritannien einen konkreten Praxiseinsatz meldet, fordert das Unternehmen für künftige CCS-Projekte belastbare Rahmenbedingungen.
Der nächste angekündigte Finanztermin folgt am 4. November um 07:00 Uhr mit der Veröffentlichung des Q3-Umsatzes. Für Anleger stehen damit zwei getrennte Bewertungsfragen nebeneinander: die Entwicklung des Geschäfts und die wirtschaftlichen Voraussetzungen weiterer Klimaprojekte.
Die britische Erprobung beantwortet die zweite Frage für CCS nicht. Entscheidend bleibt dort die vom Unternehmen betonte Verlässlichkeit des regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmens.
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