Heidelberg Materials hat Ende Juli die Latte für das laufende Geschäftsjahr niedriger gehängt – und dennoch griff ein Vorstandsmitglied wenige Tage später beim eigenen Papier zu. Diese Gegenläufigkeit prägt derzeit das Bild rund um den Baustoffkonzern, dessen Aktie sich seit Jahresbeginn deutlich verbilligt hat.
Prognosekürzung wegen Energiekosten
Am 30. Juli konkretisierte der Konzern seine Jahresprognose und kappte das obere Ende der Zielspanne für das bereinigte operative Ergebnis (RCO) auf 3,40 bis 3,65 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen bis zu 3,75 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Als Grund nannte Heidelberg Materials steigende Energiekosten infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Die Kürzung betrifft ausschließlich die obere Bandbreite – am unteren Ende bleibt das Ziel unverändert.
Gleichzeitig legte der Konzern am selben Tag seine Halbjahreszahlen vor. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 6,4 Prozent auf 6,04 Milliarden Euro, das operative Ergebnis wuchs um 3,6 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Für das erste Halbjahr insgesamt weist Heidelberg Materials einen Gewinn nach Steuern von 738 Millionen Euro aus, nach 686 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Jefferies hob am 30. Juli hervor, dass der Konzern damit erstmals seit dem ersten Quartal 2022 wieder ein positives Mengenwachstum verzeichnet – ein Detail, das die Analysten trotz der gesenkten Guidance positiv werteten.
Analysten kürzen Kursziele, Kaufempfehlungen bleiben
Die Reaktion der Investmentbanken auf die Prognoseanpassung fiel einheitlich in der Richtung, aber unterschiedlich in der Höhe aus. Goldman Sachs senkte am 31. Juli das Kursziel von 230 auf 210 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Auch Berenberg und JPMorgan reduzierten ihre Kursziele in der gleichen Woche auf 215 respektive 225 Euro, hielten aber ebenfalls an ihren positiven Voten fest. Jefferies bewegte sich mit einem Kursziel von 286 Euro am oberen Ende der Einschätzungen und bestätigte seine Kaufempfehlung unter Verweis auf das wiedergefundene Mengenwachstum.
Der gemeinsame Tenor: Die Substanz des operativen Geschäfts überzeugt die Analysten weiterhin, die kurzfristige Ergebnisbelastung durch Energiekosten wird jedoch in niedrigeren Kurszielen abgebildet.
Vorstand kauft, Rückkaufprogramm läuft weiter
Vor diesem Hintergrund sorgte eine Insider-Meldung für Aufmerksamkeit: Vorstandsmitglied René Aldach erwarb am 30. Juli Aktien im Wert von rund 58.000 Euro zu einem Durchschnittskurs von 165,70 Euro über den Handelsplatz Lang & Schwarz. Der Kauf fiel exakt in die Woche der Prognosekürzung und der Halbjahreszahlen.
Parallel dazu setzt Heidelberg Materials sein Aktienrückkaufprogramm fort. Zwischen dem 20. und 24. Juli erwarb der Konzern im Rahmen der dritten Tranche des 2024 gestarteten Programms 136.499 eigene Anteile für insgesamt 23,1 Millionen Euro.
Kursbild bleibt angeschlagen
An der Börse hat sich das Papier von diesen Nachrichten bislang nicht gelöst. Zum Donnerstagsschluss notierte die Aktie bei 163,10 Euro, seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 27,06 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Tief von 157,50 Euro, erreicht Ende Juli, beträgt der Abstand nur noch 3,56 Prozent – die Aktie handelt also nahe ihrem Jahrestief. Anleger richten den Blick nun auf das Trading-Update zum dritten Quartal, das Heidelberg Materials für den 4. November angekündigt hat. Es dürfte zeigen, ob sich das von Jefferies hervorgehobene Mengenwachstum fortsetzt und ob die Energiekostenbelastung im weiteren Jahresverlauf begrenzt bleibt.
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