Weniger Verlust, weniger Cashverbrauch, erster echter Wasserstoffkunde — H-Power, früher bekannt als AFC Energy, hat am 10. Juni 2026 Halbjahreszahlen vorgelegt, die mehr nach Fortschritt klingen als nach Versprechen. Für ein Unternehmen, das bislang vor allem durch Technologiepotenzial aufgefallen ist, ist das ein Unterschied.
Verlust halbiert, Kasse noch gefüllt
Der Verlust nach Steuern sank im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres auf 5,8 Millionen Pfund — nach 10,1 Millionen Pfund im Vorjahreszeitraum. Der operative Cashverbrauch fiel auf 7,5 Millionen Pfund, verglichen mit 10,7 Millionen Pfund zuvor. Das Unternehmen hat also weniger Geld verbrannt und gleichzeitig mehr in Produktentwicklung investiert: Die aktivierten Entwicklungskosten stiegen auf 4,0 Millionen Pfund.
Zum Stichtag verfügte H-Power über liquide Mittel von insgesamt 17,4 Millionen Pfund. Hinzu kommen erwartete Steuergutschriften für Forschungsausgaben von 3,2 Millionen Pfund, die noch im zweiten Halbjahr eingehen sollen.
Erster Bulk-Wasserstoffverkauf aus geknacktem Ammoniak
Das kommerziell bedeutsamste Ereignis ist eine Vereinbarung mit Protium über den Verkauf von 5.000 Kilogramm Wasserstoff. H-Power bezeichnet das als ersten Großverkauf von grünem Wasserstoff aus geknacktem Ammoniak in Großbritannien.
Die Produktion läuft am Standort Dunsfold, wo Bio-Ammoniak in 99,97-prozentigen Wasserstoff nach ISO-Standard umgewandelt wird. Protium nutzt Dunsfold als virtuelles Depot, um Kunden im Südosten Englands zu beliefern. Das ist kein Labormeilenstein mehr. Das ist ein funktionierendes Liefermodell.
Brennstoffzellen-Aufträge aus zwei Richtungen
Speedy Hire hat 15 weitere LC30-Wasserstoff-Brennstoffzellengeneratoren für das gemeinsame Unternehmen Speedy Hydrogen Solutions bestellt — vorbehaltlich der CE-Zertifizierung, die für August 2026 erwartet wird. Die Auslastungsziele des Joint Ventures sollen bis Oktober 2026 erreicht oder übertroffen werden.
Parallel dazu verkauft H-Power zwei LC30-Generatoren an TAMGO in Saudi-Arabien. Dort stehen zunächst Feldtests unter lokalen Wetterbedingungen an, gefolgt von Kundenvorführungen in Saudi-Arabien und weiteren Golfstaaten. Der LC30 ist für Temperaturen zwischen minus 20 und plus 50 Grad Celsius ausgelegt — ein wichtiger Praxistest für den Einsatz in der Region.
Kurs unter Druck, Jahresbilanz noch positiv
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 0,15 Euro. Kurzfristig steht sie unter Druck: minus 12,9 Prozent in sieben Tagen, minus 11,8 Prozent in 30 Tagen. Seit Jahresbeginn liegt das Papier allerdings noch 29 Prozent im Plus. Der Kurs notiert knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,13 Euro — die längerfristige Erholung vom Novembertief ist intakt.
Die Halbjahreszahlen liefern nun eine konkretere Grundlage für die Bewertung. Ob die Protium-Vereinbarung, die Speedy-Hire-Bestellung und die TAMGO-Tests zu echtem Umsatzwachstum führen, ohne den Cashverbrauch wieder zu beschleunigen, entscheidet sich in den kommenden Quartalen.
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