Der größte Börsengang aller Zeiten

SpaceX strebt mit bis zu 75 Milliarden Dollar den größten Börsengang aller Zeiten an. Das Konglomerat aus Raumfahrt, Starlink und KI birgt hohe Chancen und Risiken.

Auf einen Blick:
  • Emissionsvolumen von bis zu 75 Milliarden Dollar
  • Starlink als wichtigste Einnahmequelle
  • KI-Sparte xAI verbrennt monatlich Milliarden
  • Musk hält 85 Prozent der Stimmrechte

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In dieser Woche legte SpaceX seine IPO-Pläne öffentlich vor. Was folgte, ließ selbst erfahrene Finanzprofis aufhorchen. Das Unternehmen von Elon Musk will mindestens 75 Milliarden Dollar einsammeln, bei einer Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar. Zum Vergleich: Der bislang größte Börsengang der Geschichte war der von Saudi Aramco im Jahr 2019, mit einem Emissionsvolumen von 29,4 Milliarden Dollar. SpaceX würde diesen Rekord mehr als verdoppeln.

Der erste Handelstag könnte bereits am 12. Juni stattfinden. Die Zeit zum Nachdenken ist also knapp.

Von der Rakete zum KI-Konzern

SpaceX ist längst kein reines Raumfahrtunternehmen mehr. Das Unternehmen betreibt Starlink, einen satellitengestützten Breitbandinternetzugang, der 2025 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Dollar erzielte, nach 7,6 Milliarden im Vorjahr. Das Raketengeschäft dagegen, also Starts mit der Falcon-9-Familie, brachte lediglich 4,1 Milliarden Dollar ein und schrieb unterm Strich rote Zahlen.

Im Februar 2026 kam xAI hinzu, Musks Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Grok. Die Übernahme erfolgte vollständig in Aktien. Seitdem verbrennt xAI nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld rund eine Milliarde Dollar pro Monat für Rechenkapazität und KI-Training. Im ersten Quartal 2026 lag der operative Verlust des KI-Segments bereits bei 2,5 Milliarden Dollar, nach 6,4 Milliarden für das Gesamtjahr 2025.

Das klingt zunächst nach einem roten Warnsignal. Doch wer SpaceX ausschließlich an heutigen Zahlen misst, versteht das Konstrukt nicht. Das Unternehmen hat sich als Infrastrukturlieferant für die KI-Industrie positioniert. Anthropic, Betreiber des KI-Assistenten Claude, zahlt SpaceX laut Börsenprospekt 1,25 Milliarden Dollar monatlich für Rechenkapazität, und zwar bis Mai 2029. Das ist ein milliardenschwerer Vertrag mit einem der wichtigsten KI-Unternehmen der Welt.

Im Prospekt beziffert SpaceX den gesamten adressierbaren Markt auf 28,5 Billionen Dollar. Davon entfallen 26,5 Billionen allein auf den KI-Bereich.

Starlink als Cashflow-Maschine, Starship als Schlüssel zur Zukunft

Das eigentliche Fundament von SpaceX ist Starlink. Der Dienst betreibt rund 10.000 Satelliten im erdnahen Orbit. Rund 75 Prozent aller 165 Falcon-9-Starts im Jahr 2025 dienten ausschließlich dem Ausbau dieser Konstellation. Starlink ist damit nicht nur ein Produkt, sondern auch der größte Einzelkunde des eigenen Raketengeschäfts.

SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell brachte es im März auf den Punkt: „Starlink hat eine unglaubliche Nachfrage für Falcon 9 geschaffen. Wir sind unser eigener größter Auftraggeber.“

Der nächste Schritt soll Starship sein, eine vollständig wiederverwendbare Superrakete, die deutlich größere Nutzlasten transportieren kann als Falcon 9. Mit Starship will SpaceX orbitale KI-Rechenzentren im All aufbauen, Starlink massiv ausbauen und die Startkosten weiter senken. Die Kapitalaufwendungen für Starship lagen 2025 bei drei Milliarden Dollar.

Genau hier liegt aber auch das zentrale Risiko. Starship steckt noch in der Entwicklung. Ein Misserfolg oder eine erhebliche Verzögerung würde Musks gesamte Aufwärtsstrategie ins Wanken bringen. Der Börsenprospekt nennt dieses Risiko ausdrücklich als einen der wichtigsten Unsicherheitsfaktoren.

23 Banken, eine Aktie, eine Machtfrage

Der Börsengang wird von 23 Banken begleitet, angeführt von Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan Chase. Schon das zeigt, welche Bedeutung dieses Listing für die Wall Street hat.

Privatanleger können über populäre US-Handelsplattformen wie Robinhood oder E*Trade Zeichnungsaufträge einreichen. Das gilt allerdings ausschließlich für Anleger mit einem US-amerikanischen Brokerkonto. Für deutsche Privatanleger bleibt die Zeichnungsphase damit in der Regel außen vor. Wer hierzulande in SpaceX investieren möchte, wird auf den ersten Handelstag warten müssen, ab dem die Aktie wie jede andere über die Börse gehandelt werden kann.

Ein zentraler Punkt für Anleger ist die Aktienstruktur. Musk hält dank einer Klasse stimmrechtsstarker Aktien 85,1 Prozent der Stimmrechte. Eine Veränderung der Unternehmensführung durch Aktionäre ist damit praktisch ausgeschlossen. Diese Konstruktion ist Musk-Investoren bekannt. Tesla funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip: Musk hat auch dort seine Machtposition über Stimmrechte abgesichert. Wer in SpaceX investiert, akzeptiert, dass Musk der alleinige Steuermann bleibt.

Der Tesla-Effekt: Fluch oder Segen?

Wer Tesla-Aktien hält, kennt das Muster. Ein visionärer Gründer, ein scheinbar unmögliches Ziel, hohe Bewertungen auf Basis von Zukunftserwartungen und eine Unternehmensstruktur, die externe Einflussnahme weitgehend ausschließt. Tesla hat seine Skeptiker über Jahre hinweg überrascht. Gleichzeitig hat Musk seine Aufmerksamkeit zuletzt auf viele Projekte verteilt: X, xAI, SpaceX, Tesla, Neuralink, dazu sein politisches Engagement in Washington.

Genau das war für viele Tesla-Aktionäre ein Ärgernis. Die Aktie hat in den vergangenen Jahren erhebliche Schwankungen erlebt, nicht zuletzt wegen Zweifeln an Musks Fokus auf das Kerngeschäft. Ein Börsengang von SpaceX könnte diese Diskussion neu entfachen. Anlegerkapital, das in SpaceX fließt, steht nicht automatisch für Tesla zur Verfügung. Beide Unternehmen könnten künftig um dieselbe Investorenbasis konkurrieren.

Andererseits gibt es auch ein konstruktiveres Szenario für Tesla-Aktionäre. Wenn SpaceX erfolgreich an die Börse geht und die sogenannte Musk-Prämie, also der Aufschlag, den Märkte für seine Beteiligung zahlen, wieder steigt, könnte davon auch Tesla profitieren. Beide Aktien sind eng mit der öffentlichen Wahrnehmung Musks verknüpft. Ein glänzendes SpaceX-Debüt wäre für das Musk-Universum insgesamt ein positives Signal.

Was Anleger abwägen sollten

Ein Einstieg bei einem Börsengang birgt strukturelle Nachteile. Der Ausgabepreis spiegelt oft die Erwartungen der Altaktionäre wider, nicht das faire Marktpreisrisiko für Neueinsteiger. Für deutsche Anleger kommt hinzu, dass sie den Ausgabepreis ohnehin nicht selbst zahlen werden. Wer SpaceX-Aktien kaufen will, wird dies erst ab dem ersten Handelstag tun können, wenn die Kursfindung bereits durch den Markt erfolgt ist. SpaceX hat seine Bewertung in den vergangenen Monaten von rund 1,2 Billionen auf bis zu 2 Billionen Dollar fast verdoppelt, noch vor dem ersten Handelstag.

Das Unternehmen verbrennt derzeit erhebliche Mittel im KI-Bereich. Langfristig könnte genau dieser Bereich zur entscheidenden Wachstumsquelle werden, falls die Rechenzentren im All tatsächlich Realität werden. Heute ist das noch Zukunftsmusik.

Hinzu kommt: SpaceX wird als börsennotiertes Unternehmen erstmals quartalsweise Zahlen veröffentlichen müssen. Diese Transparenz, die es bislang nicht gab, kann die Aktie in beide Richtungen bewegen. Positiv, wenn die Zahlen überraschen. Negativ, wenn die Kosten schneller steigen als der Umsatz.

Marktbeobachter weisen darauf hin, dass SpaceX als Konglomerat aus Raumfahrt, Satellitenkommunikation und KI schwer zu bewerten ist. Einzelne Segmente wie Starlink wären als eigenständige Unternehmen möglicherweise attraktiver bepreist als im Verbund mit dem defizitären KI-Geschäft. Wer SpaceX kauft, kauft alles auf einmal, Cashflow-Perle Starlink ebenso wie das milliardenschwere KI-Experiment.

Historisch, riskant, einmalig

SpaceX ist kein gewöhnlicher Börsenkandidat. Das Unternehmen hat bewiesen, dass es eine Branche neu erfinden kann. Jetzt stellt es die nächste These auf: KI-Infrastruktur aus dem Weltraum. Ob diese These aufgeht, ist offen. Was feststeht: Dieser Börsengang ist ein historisches Ereignis, das Anleger weltweit beschäftigen wird.

Wer sich für eine Beteiligung interessiert, sollte die finalen Zahlen abwarten, den Ausgabepreis kritisch prüfen und die Risiken im KI-Bereich nicht unterschätzen. Der Hype um Musk-Unternehmen kann Kurse nach oben treiben, aber auch empfindlich nach unten bringen. Tesla lehrt das seit Jahren. SpaceX wird keine Ausnahme sein.

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