Graphite One Aktie: 83 Prozent lehnen Alaska-Projekt ab

Zwei weitere US-Graphitprojekte erhalten Schnellgenehmigungsstatus. Lokaler Widerstand und fehlende Zölle belasten das Alaska-Vorhaben.

Auf einen Blick:
  • FAST-41-Status nicht mehr exklusiv
  • Starke lokale Opposition in Alaska
  • Zollschutz für Graphit ausgeblieben
  • Seltene Erden als möglicher Bonus

Graphite One hatte einen klaren Vorteil: Als erstes Bergbauprojekt aus Alaska schaffte das Unternehmen im Juni 2025 den Sprung auf das FAST-41-Schnellgenehmigungsprogramm der US-Regierung. Dieser Vorsprung ist kleiner geworden.

Im März 2026 erhielten zwei weitere amerikanische Graphitprojekte denselben Status. Westwater Resources‘ Coosa-Projekt in Alabama zielt auf mehr als 1,8 Millionen Tonnen batterietauglichen Graphits. Das Kilbourne-Projekt in New York plant eine Aufbereitungsanlage mit 40.000 Tonnen Jahreskapazität — gestützt auf eine Investition von 360 Millionen Dollar. Das US-Energieministerium hat alle drei Projekte in seine Prioritätsliste aufgenommen.

Widerstand vor Ort bremst den Zeitplan

Ausgerechnet in Alaska wächst der Gegenwind. Das Genehmigungsverfahren nach dem Clean Water Act zog 301 öffentliche Kommentare an. Mehr als 83 Prozent davon äußerten Bedenken oder lehnten das Projekt ab. Zwei indigene Dorfkorporationen fordern Konsultationen auf höchster Ebene.

Die Behörden prüfen nun, ob eine vereinfachte Umweltprüfung ausreicht oder ein vollständiges Umweltverträglichkeitsgutachten nötig ist. Letzteres würde den Prozess deutlich über September 2026 hinaus verlängern und den gesamten Produktionsplan gefährden.

Finanzierung steht, Zollschutz fehlt

Auf der Finanzierungsseite sieht es stabiler aus. Die US-Export-Import-Bank stellte unverbindliche Interessenbekundungen über insgesamt 2,07 Milliarden Dollar für eine vollständig amerikanische Graphit-Lieferkette aus. Davon entfallen 670 Millionen Dollar auf das Alaska-Projekt und 1,4 Milliarden Dollar auf eine geplante Anlage in Ohio. Die formelle Kreditbewerbung soll 2026 folgen — allerdings erst nach Erteilung der Bundesgenehmigung.

Weniger günstig entwickelte sich das Zollumfeld. Eine US-Handelsuntersuchung zu chinesischem Graphit-Anodenmaterial endete im März 2026 ohne Strafzölle. Die Handelskommission sah keine wesentliche Schädigung der heimischen Industrie. China kontrolliert weiterhin mehr als 95 Prozent der weltweiten Verarbeitungskapazität für Graphit-Anodenmaterial.

Seltene Erden als möglicher Zusatzwert

Ein Joker könnte das Bild verändern. Graphite One arbeitet derzeit mit einem nationalen US-Labor zusammen, um zu prüfen, ob sich Seltene Erden wirtschaftlich aus dem Erzkörper in Alaska gewinnen lassen. Erste Analysen zeigen erhöhte Konzentrationen von Dysprosium, Yttrium und Scandium. Ein positives Ergebnis noch in diesem Jahr würde eine zweite Einnahmequelle eröffnen, die in der aktuellen Unternehmensbewertung nicht eingepreist ist.

Die Aktie spiegelt die Unsicherheit wider. Mit rund 0,76 Euro liegt der Kurs mehr als 50 Prozent unter dem Jahreshoch von Januar 2026. Seit Jahresbeginn hat das Papier gut ein Drittel seines Wertes verloren.

Die Ohio-Anlage soll ab 2028 batterietaugliches Anodenmaterial produzieren — zunächst 48.000 Tonnen jährlich, bis 2031 skaliert auf 169.000 Tonnen. Ob dieser Zeitplan hält, entscheidet sich in Alaska: beim Genehmigungsverfahren, das derzeit auf der Kippe steht.

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