Graphite One geht in einen Juni, der mehr ist als ein Pflichttermin im Kalender. Die Aktionäre stimmen über Vergütungsfragen ab, während das Unternehmen konkrete Kundentests für seine geplante Anodenmaterial-Anlage in Ohio vorantreibt. Genau dort liegt der Kern: Aus dem Rohstoffprojekt soll eine integrierte Lieferkette für Batteriematerial werden.
Die Aktie legt am Montag auf 0,75 Euro zu, ein Plus von 4,91 Prozent. Seit Jahresbeginn bleibt dennoch ein Minus von 36,34 Prozent stehen.
Hauptversammlung rückt näher
Am 26. Juni 2026 steht die Hauptversammlung von Graphite One an. Dort will sich das Unternehmen die nötigen Zustimmungen für Aktienvergütungen an Führungskräfte holen. Die für das Kalenderjahr 2026 vorgesehenen Zuteilungen sollen im Juli erfolgen.
Nach den jüngsten Gewährungen hat Graphite One 208.967.736 Stammaktien ausstehend. Dazu kommen 4.398.006 Restricted Share Units und 4.873.272 Performance Share Units im Omnibus-Plan.
Die Zahl der ausgegebenen Aktienoptionen liegt bei 10.705.738. Für Aktionäre ist das verwässerungsrelevant, auch wenn solche Programme bei Entwicklungsunternehmen nicht ungewöhnlich sind.
Kundentests in der Batteriebranche
Operativ wird es spannender. Graphite One hat kommerziell hergestellte Anodenmaterial-Proben von bis zu 20 Kilogramm an drei große Elektroautohersteller und drei Batterieunternehmen geliefert. Diese prüfen das Material nun auf ihre Spezifikationen.
Mit Teilnehmern aus dieser Gruppe laufen bereits Abnahmeverhandlungen, unterschriebene Verträge gibt es aber noch nicht. Das ist der nächste Prüfstein für die Ohio-Strategie: Tests sind wichtig, feste Kunden noch wichtiger.
Eine bekannte Verbindung besteht bereits zu Lucid. Der Elektroautobauer hat mehrere Vereinbarungen mit Graphite One unterzeichnet, um ab 2028 natürlichen Graphit für Fahrzeugbatterien zu beziehen.
Ohio soll zur Anoden-Drehscheibe werden
Die erste Ausbaustufe der Anlage in Ohio ist auf 10.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt. Produziert werden soll Material für Lithium-Ionen-Batterien in Elektrofahrzeugen und stationären Speichern.
Der geplante Mix umfasst 4.000 Tonnen für Energiespeicher, 3.000 Tonnen für Schnellladeanwendungen und 3.000 Tonnen für hohe Energiedichte. Damit zielt Graphite One nicht auf einen einzelnen Nischenmarkt, sondern auf mehrere Batterieprofile.
Eine zweite Ausbaustufe mit 25.000 Tonnen Graphitisierungskapazität ist für das dritte Quartal 2028 geplant. Den Standort in Conneaut im Ashtabula County sicherte sich das Unternehmen über eine Nutzungsvereinbarung mit der Bessemer and Lake Erie Railroad Company, einer Tochter von Canadian National Railway.
Der frühere Standort in Warren wurde aufgegeben. Grund waren Herausforderungen bei der Strominfrastruktur.
Genehmigung, Zölle, Finanzierung
Langfristig hängt viel am Graphite-Creek-Projekt in Alaska. Es läuft im Bundesprogramm FAST-41, das Genehmigungsprozesse zwischen Behörden koordinieren soll; der aktuelle Zeitplan peilt eine Bundesentscheidung im September 2026 an.
Graphite Creek war im Juni 2025 das erste Bergbauprojekt aus Alaska auf der entsprechenden Bundesplattform. Im März 2026 erhielten zwei weitere US-Graphitprojekte in Alabama und New York denselben Status. Der Wettlauf um eine heimische Lieferkette wird enger.
Beim Zollschutz gab es einen Rückschlag. Die US International Trade Commission entschied mit 2 zu 1, dass chinesische Importe von aktivem Anodenmaterial die US-Industrie nicht wesentlich beeinträchtigen; bestehende Zölle von 35 Prozent bleiben bestehen.
Finanziell bleibt die staatliche Rückendeckung dennoch beachtlich. Die US Export-Import Bank hat unverbindliche Interessenschreiben über zusammen 2,07 Milliarden US-Dollar ausgestellt.
Für die Mine in Alaska stieg die mögliche Unterstützung von 570 Millionen auf 670 Millionen US-Dollar. Für die geplante Anodenmaterial-Anlage in Ohio erhöhte sie sich von 325 Millionen auf 1,4 Milliarden US-Dollar.
Der strategische Grundgedanke bleibt klar: Die USA sind bei natürlichem Graphit zu 100 Prozent importabhängig. Graphite One setzt darauf, diese Lücke mit einer Alaska-bis-Ohio-Kette zu schließen.
Der nächste feste Termin ist die Hauptversammlung am 26. Juni 2026, danach rückt die Genehmigungsentscheidung im September näher. Bis dahin zählen vor allem zwei Fortschritte: bestandene Kundentests und der Übergang von Verhandlungen zu verbindlichen Abnahmeverträgen.
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