Heute hat sich Nick Woodman, der Gründer und CEO von GoPro, in einem Brief direkt an die Öffentlichkeit gewandt. Er reagierte damit auf wachsende Unsicherheiten über die Zukunft der bekannten Action-Kameras, nachdem am Dienstag der Zusammenschluss mit Starman Optical bekanntgegeben worden war.
Woodman betonte, dass GoPro trotz der neuen Ausrichtung auf optische Technologien für künstliche Intelligenz (KI) und Verteidigung weiterhin Innovationen im Bereich der Konsumer- und Profikameras vorantreiben werde. Der Brief dient als Signal der Stabilität an die Nutzerbasis, während sich das Unternehmen technologisch breiter aufstellt.
Strategische Neuausrichtung auf KI-Infrastruktur
Der am Dienstag angekündigte Fusionsvertrag sieht vor, dass GoPro für ein Volumen von rund 285 Millionen US-Dollar mit Starman Optical verschmilzt. Die Aktionäre sollen pro Papier 1,14 US-Dollar in bar sowie eine Beteiligung von etwa 10 Prozent am neuen Unternehmen erhalten.
Ein wesentlicher Teil der Transaktion ist die Beseitigung der Schuldenlast in Höhe von 92 Millionen US-Dollar. Starman Optical ist auf optische Transceiver spezialisiert, die laut Medienberichten bereits in Hardware-Strukturen von Nvidia und AMD zum Einsatz kommen.
Durch den Zusammenschluss wandelt sich GoPro von einem reinen Hardware-Produzenten für Endverbraucher zu einem Akteur im Bereich der KI-Datenzentren und der Verteidigungstechnik. Während das Unternehmen an der Nasdaq gelistet bleibt, soll die technologische Basis durch mehr als 2.500 Patente von GoPro gestärkt werden. Es wird erwartet, dass Woodman auch nach dem für Ende 2026 geplanten Abschluss der Fusion in der Rolle des CEO verbleibt.
Widerstand von Großaktionären und rechtliche Hürden
Trotz der Zusicherungen der Geschäftsführung regt sich Widerstand auf der Seite der Investoren. Mark Fischbach, bekannt als Markiplier, der vor rund zwei Wochen als Großaktionär eingestiegen war, kündigte an, gegen die Fusion stimmen zu wollen.
Fischbach hält derzeit 8,5 Prozent der Anteile, verfügt jedoch aufgrund der Stimmrechtsstruktur nur über etwa 3 Prozent der Stimmgewalt. Demgegenüber steht Woodman mit rund 63 Prozent der Stimmrechte, was eine Ablehnung durch die Minderheitsaktionäre erschwert.
Gleichzeitig gerät die Angemessenheit des Kaufpreises unter juristischen Druck. Mehrere US-Kanzleien, darunter Monteverde & Associates sowie Kahn Swick & Foti, haben Untersuchungen eingeleitet. Sie prüfen, ob der Preis von 1,14 US-Dollar pro Aktie sowie der gesamte Verkaufsprozess den Interessen der Aktionäre gerecht werden. Analysten von Morgan Stanley hatten das Kursziel für GoPro bereits zuvor auf 0,50 US-Dollar gesenkt.
Marktreaktion und operative Schwäche
Die Börse reagiert heute positiv auf die jüngsten Entwicklungen und den Brief des CEO. Das Papier verzeichnet ein Plus von 12 Prozent und notiert aktuell bei 1,34 Euro. Damit hat sich die Aktie deutlich von ihrem 50-Tage-Durchschnitt abgesetzt und liegt nun 105 Prozent über diesem Wert. Dieser Sprung folgt auf eine Phase erheblicher operativer Herausforderungen, die den Verkaufsdruck der vergangenen Monate erklärt.
Im zweiten Quartal 2026 musste GoPro einen massiven Umsatzrückgang von 152,6 Millionen auf 104,9 Millionen US-Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hinnehmen. Der bereinigte Verlust pro Aktie weitete sich in diesem Zeitraum auf 0,21 US-Dollar aus.
Besonders deutlich wurde die Krise beim Absatz: Die Verkaufszahlen der Kameras brachen um 38 Prozent auf nur noch 291.000 Einheiten ein. Die Fusion wird daher am Markt vor allem als finanzielle Rettung gewertet, um die vorhandene Technologie in profitablere Industriebereiche zu überführen.
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