Wer am Mittwoch noch auf ein sauberes Kaufsignal gewartet hatte, wurde erst mal enttäuscht. Gold rutschte auf den tiefsten Stand seit dem 31. März, ein Monatstief, das sich gewaschen hatte. Am Donnerstag dann die Gegenbewegung: Der Spot-Preis kletterte bis auf rund 4.566 Dollar pro Unze, die Juni-Futures zogen auf 4.578 Dollar an. Erholung, ja. Aber eben eine mit angezogener Handbremse.
Öl macht den Aufwärtstrend zunichte
Der Grund für die gedämpfte Stimmung ist schnell benannt: Brent-Rohöl verharrte über 119 Dollar pro Barrel, zeitweise sogar über 124 Dollar. Hintergrund sind festgefahrene Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Die USA sollen laut Berichten militärische Optionen gegen den Iran prüfen, Trump forderte Teheran auf, „schnell vernünftig zu werden“ und ein Abkommen zu unterzeichnen. Gleichzeitig diskutierte der US-Präsident mit Ölkonzernen, wie sich die Folgen einer möglichen monatelangen Blockade iranischer Häfen abmildern ließen.
Für Gold ist das ein zweischneidiges Schwert. Zwar gilt das Edelmetall traditionell als Inflationsschutz, doch hohe Ölpreise schüren eben auch die Erwartung längerfristig hoher Zinsen. Und hohe Zinsen lasten auf einem Asset, das keine Rendite abwirft.
Die Fed liefert keine Entlastung
Auch von der Federal Reserve kam am Mittwoch kein Rückenwind. Die Notenbank beließ die Leitzinsen unverändert, merkte aber wachsende Inflationssorgen an. Drei Ratsmitglieder stimmten gegen die Erklärung, weil sie eine Tendenz zu Zinssenkungen nicht mehr für vertretbar halten. Es war die umstrittenste Fed-Entscheidung seit 1992, so zumindest die einhellige Einschätzung.
Die Märkte reagierten prompt. Zinssenkungen für dieses Jahr sind mittlerweile vollständig ausgepreist. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis März 2027 sprang laut FedWatch von rund 5 auf 30 Prozent. Das ist kein kleines Update, das ist eine Neubewertung.
Gold/US-Dollar Chart
Tim Waterer sieht Käufer bei Rücksetzern
Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade, brachte es so auf den Punkt: Gold stelle auf dem aktuellen Niveau ein attraktives Wertangebot dar, Käufe bei Kursrücksetzern seien ein wesentlicher Treiber der heutigen Erholung. Die starken Ölpreise und die damit verbundenen Inflationsrisiken hielten das kurzfristige Aufwärtspotenzial jedoch in Schach.
Immerhin: Die Nachfrageseite stimmt grundsätzlich. Der World Gold Council meldete für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der weltweiten Goldnachfrage um 2 Prozent auf 1.230,9 Tonnen. Goldbarren und -münzen legten sprunghaft zu, die Zentralbankkäufe wuchsen um 3 Prozent. Dass die Schmucknachfrage um 23 Prozent einbrach, wurde dadurch mehr als ausgeglichen.
Erholung ja, Entwarnung nein
Ein schwächerer Dollar half dem Edelmetall zusätzlich auf die Beine. Doch solange Öl über 120 Dollar notiert und die Fed drei Gegenstimmen für Zinssenkungen kassiert, bleibt das Bild für Gold ungemütlich. 4.566 Dollar klingen nach viel. Vor einem Monat war es noch mehr.
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