Eigentlich müsste Gold steigen. Die Schlagzeilen liefern genug Gründe: US-Angriffe auf iranische Stellungen in der Straße von Hormus, ein beschossener Öltanker, steigende Ölpreise. Die klassische Rolle des Krisenschutzes scheint geschrieben. Doch der Goldpreis fällt – und zwar deutlich.
Eskalation in der Straße von Hormus
Am Donnerstagmorgen attackierte das US-Militär eine Stellung nahe der iranischen Stadt Bandar Abbas. Vier Drohnen sollen abgeschossen worden sein. Fast zeitgleich beschossen die iranischen Revolutionsgarden einen amerikanischen Öltanker, der die Meerenge passieren wollte. Die Straße von Hormus gilt als Nadelöhr des globalen Energiehandels – rund ein Fünftel aller Öl- und Flüssigerdgas-Transporte laufen über diese Route.
Die Angriffe ließen den Ölpreis sofort anziehen. Anleger fürchten längerfristige Lieferausfälle.
Gold im Zinsdilemma
Der Goldpreis fiel am Donnerstag um 1,47 Prozent auf 4.422 Dollar je Unze. Damit notiert das Edelmetall gut 18 Prozent unter seinem Rekordhoch von 5.450 Dollar aus dem Januar – und setzt seine Schwächephase fort. Der Abverkauf wirkt paradox, hat aber einen klaren Treiber: steigende Energiepreise.
Höhere Ölpreise heizen die Inflation an. Das wiederum erhöht den Druck auf die US-Notenbank, die Leitzinsen hoch zu halten oder sogar weiter anzuheben. Fed-Präsident Neel Kashkari unterstrich am Donnerstag, der Fokus bleibe strikt auf Inflationskontrolle. Gold als unverzinstes Asset verliert in einem solchen Umfeld an Attraktivität – Anleihen werden zur Konkurrenz.
Die klassische Safe-Haven-Logik wird damit von Zinsängsten überlagert. Auf Sicht von zwölf Monaten steht Gold zwar immer noch rund 42 Prozent höher – damals kostete die Unze 3.335 Dollar. Doch der aktuelle Rücksetzer zeigt die Grenzen der Krisenabsicherung auf.
Ob Gold seine Schutzfunktion zurückgewinnt, hängt davon ab, ob die Ölpreise weiter steigen und die Fed auf ihren strikten Kurs bleibt. Jede zusätzliche Störung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus könnte den Druck über den Zinskanal noch verstärken.
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