Haben die großen Notenbanken ihre Kurswechsel im September still abgestimmt? Die Goldman-Sachs-Volkswirte Joseph Briggs und Sarah Dong sehen zumindest Indizien dafür. Ihre Analyse liefert eine nüchterne Antwort: Koordination spielt mit, ist aber nicht der Haupttreiber.
Muster nach den BIZ-Treffen
Die Ökonomen nutzten einen praktischen Kniff. Die Zentralbankchefs treffen sich sechsmal im Jahr bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die Termine stehen fest. Das erlaubt einen Vergleich mit Zeiträumen ohne solche Treffen.
Das Ergebnis: Unmittelbar nach den Sitzungen bewegen sich die Renditen zweijähriger Anleihen länderübergreifend deutlicher im Gleichklang. Die Effekte entsprechen 10 bis 20 Prozent der Standardabweichung der verwendeten Messgrößen, erfasst über G10-Zentralbanken. Kein gewaltiger Ausschlag, aber statistisch erkennbar.
Globale Schocks bleiben der Haupttreiber
Den größten Anteil am Gleichlauf schreiben Briggs und Dong gemeinsamen globalen Schocks zu. Der restriktivere Kurs der Industrieländer im September sei am stärksten durch steigende Ölpreise getrieben worden. Die Diskussionen in Jackson Hole könnten ihn allenfalls verstärkt haben. Die Analysten räumen ein, dass sich beide Kanäle schwer trennen lassen.
Als möglichen Frühindikator nennen sie die Bank of Canada. Sie überraschte am 2. September, vier Tage nach dem Ende des Symposiums in Jackson Hole, mit einem strafferen Ton. Nach Ansicht der Goldman-Ökonomen hätte das ein Vorbote für ähnliche Überraschungen bei der EZB und der Federal Reserve sein können. Ihre These: Eine erste Überraschung einer Notenbank nach solchen Treffen hat stärkere Signalwirkung auf die anderen.
Renditen als Schlüssel für Aktien
Passend dazu steht der Anleihemarkt im Zentrum einer weiteren Goldman-Einschätzung. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist auf 5,25 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Die Bank sieht den klarsten Weg zu weiteren Kursgewinnen am Aktienmarkt deshalb in fallenden Renditen.
Die Verbindung liegt nahe: Treiben Ölpreise und restriktive Notenbanken die Zinsen weiter nach oben, fehlt der Aktienrally eine wichtige Stütze. Beruhigt sich der Anleihemarkt, könnte sich das Bild drehen. Das nächste BIZ-Treffen im zweimonatlichen Turnus liefert den nächsten Testfall für das von Briggs und Dong beschriebene Muster.
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