Goldman Sachs verdient glänzend im Handel, doch die Kreditseite meldet sich zurück. Ein bekannter Bankenkenner hat deshalb sämtliche Bankaktien verkauft. Parallel liefert die Bank selbst Zinsprognosen für die Fed und die kanadische Notenbank, die vom Marktkonsens abweichen.
Handel stark, Risikovorsorge höher
Im dritten Quartal 2026 stieg der Nettoumsatz um 23 Prozent auf 18,68 Milliarden US-Dollar. Treiber war der Aktienhandel, der mit 6,44 Milliarden US-Dollar um 72 Prozent über dem Vorjahresquartal lag. Die Aktie reagierte darauf kaum.
Weniger erfreulich fiel die Risikovorsorge aus. Sie kletterte auf 368 Millionen US-Dollar, nach 102 Millionen im Vorquartal. Ursache waren vor allem Wertberichtigungen auf Firmenkredite.
Chris Whalen, Chef von Whalen Global Advisors, sieht darin einen Anhaltspunkt für seine These. Er hat Ende September alle Bankaktien verkauft und setzt auf Gold, Energiewerte und Einkommensanlagen. Nach fast acht Quartalen sinkender Kreditausfälle hält er Bankaktien für zu teuer. Höhere Energiepreise dürften seiner Ansicht nach Verbraucher belasten und Zahlungsausfälle steigen lassen.
Ein direkter Beleg für diese Konsumententhese ist Goldman Sachs allerdings nicht. Die Bank hat ihr Kreditkartenportfolio im vierten Quartal 2025 zum Verkauf gestellt, das Verbrauchergeschäft spielt kaum noch eine Rolle.
Goldmans eigene Zinsprognosen
Die Volkswirte der Bank erwarten, dass die Fed in dieser Woche pausiert. Im Dezember rechnen sie mit der zweiten Erhöhung, weil sich im Offenmarktausschuss ein Rhythmus von Erhöhungen bei jeder zweiten Sitzung abzeichne.
Der Markt preist demnach vier Erhöhungen ein, Goldman hält diesen Pfad für zu aggressiv und erwartet mittelfristig sogar Senkungen. Eine Erhöhung im März 2027 hält die Bank für unwahrscheinlich, sofern die Ölpreise nicht über ihren Prognosen liegen.
In Kanada weicht Goldman vom Konsens ab. Die Bank erwartet für die Sitzung dieser Woche eine Anhebung um 25 Basispunkte, eine weitere soll im Januar 2027 folgen. Notwendig sei das aus ihrer Sicht nicht, die Kerninflation liege nahe zwei Prozent. Als Begründung der Notenbank erwartet sie Sorgen über Inflationsdruck durch den Iran-Krieg.
Zudem senkte Goldman das Zwölfmonatsziel für den südkoreanischen Kospi von 12.000 auf 9.000 Punkte. Die Gewinnerwartungen für Halbleiterhersteller hält die Bank dennoch für übertrieben pessimistisch.
Fed-Entscheid als nächster Termin
Am Mittwoch endet die zweitägige Fed-Sitzung. Am Markt gilt eine Pause als wahrscheinlich. Entscheidend dürfte die Formulierung im Statement zur September-Erhöhung sein. Goldman erwartet von der Pressekonferenz keine neuen Informationen.
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