Teure Energie erschwert Gold eine Erholung. Bloomberg berichtet heute von Ölpreisen nahe einem Fünfmonatshoch, die Inflationssorgen und Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen nähren. Damit steht der kurzfristige Gegenwind am Goldmarkt einer längerfristigen Stütze gegenüber: Zentralbanken kaufen weiter, während institutionelle Anleger laut Metals Focus bei niedrigeren Preisen wieder einsteigen.
Höhere Zinsen bremsen die Nachfrage
Der Energiepreisschub belastet Gold über den Zinsausblick. Höhere Zinsen machen das unverzinsliche Edelmetall weniger attraktiv. Zugleich drückten gestern ein stärkerer US-Dollar und steigende Renditen amerikanischer Staatsanleihen auf den Markt, wie Reuters berichtet.
Der gestrige Schlusskurs von 4.138,95 USD je Feinunze bei einer Tagesveränderung von -0,7% verdeutlicht diesen Gegenwind. Eine nachhaltige Erholung hat sich noch nicht durchgesetzt.
Die nächste wichtige Wegmarke ist die Sitzung der US-Notenbank am 27.–28. Oktober. Die Fed hatte ihren Leitzins bereits im September angehoben. Für Gold zählt deshalb nicht nur die nächste Entscheidung, sondern auch der weitere Straffungspfad. Anhaltende Inflationssorgen könnten die Hoffnung auf ein günstigeres Zinsumfeld weiter dämpfen.
Der Konflikt um den Iran hat Gold nicht dauerhaft als sicheren Hafen gestärkt. Bloomberg stellt den zinsbelastenden Effekt hoher Energiepreise in den Vordergrund.
Metals Focus sieht keinen Bärenmarkt
Metals-Focus-Direktor Matthew Piggott deutet die Schwäche als Konsolidierung und nicht als Bärenmarkt. Die ausbleibende Rally spiegele den Wettbewerb um Anlagekapital wider. Eine Verschlechterung der langfristigen Aussichten erkennt er darin nicht.
Nach seiner Einschätzung kehren institutionelle Anleger bei Goldpreisen nahe 4.000 US-Dollar je Feinunze zurück. Zusammen mit den Zentralbankkäufen könne diese Nachfrage den Markt stützen. Das ist eine Einschätzung möglicher Unterstützung, keine garantierte Preisuntergrenze.
Für 2027 erwartet Metals Focus einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.330 US-Dollar je Feinunze. Im Schlussquartal soll der Durchschnitt nach der Prognose bei 5.600 US-Dollar liegen.
Die erwartete Erholung ist allerdings an Bedingungen geknüpft. Metals Focus verweist vor allem auf neue Anlegerzuflüsse und geopolitische Entspannung. Zentralbankkäufe allein ersetzen demnach nicht das Vertrauen privater und institutioneller Investoren.
Zentralbankkäufe bilden ein Gegengewicht
Auch Goldman Sachs sieht in der offiziellen Nachfrage eine strukturelle Stütze. Die Bank schätzt die weltweiten Zentralbankkäufe im August auf 79 Tonnen. Der World Gold Council meldete für denselben Monat Nettokäufe von 39 Tonnen.
Die Differenz erklärt sich durch die unterschiedliche Datengrundlage. Goldman Sachs nutzt abgeleitete Handels- und Kapitalflüsse und nicht allein zeitnah verfügbare offizielle Meldungen. Die Schätzungen können deshalb von gemeldeten Beständen abweichen und später revidiert werden.
Goldman zufolge reagiert die Zentralbanknachfrage weniger empfindlich auf Preise als die Anlegernachfrage. Sie könne Rückgänge bei Verkäufen durch Spekulanten oder Gold-ETFs abfedern. Eine Garantie für steigende Notierungen leitet die Bank daraus nicht ab.
Für Anleger ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Die Reservekäufe sprechen für eine längerfristige Nachfragebasis. Kurzfristig bestimmen jedoch Energieinflation, Dollar und Anleiherenditen den Gegenwind. Eine breitere Erholung setzt nach der Einschätzung von Metals Focus voraus, dass auch Anleger wieder stärker auf Gold setzen.
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