Gold: Zentralbanken kaufen 289 Tonnen im Q2

Gold fällt auf 4.098 Dollar nach Fed-Sitzung, während Notenbanken Rekordmengen kaufen und die Marktaussichten gespalten bleiben.

Auf einen Blick:
  • Wochenverlust von 1,54 Prozent
  • Fed lässt Leitzins unverändert
  • Zentralbanken kaufen 289 Tonnen Gold
  • Gold überholt US-Staatsanleihen als Reserve

Der Goldpreis hat den Wochenschluss mit Verlusten beendet. Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.098,60 US-Dollar, ein Minus von 1,54 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit bleibt das Edelmetall unter Druck, nachdem die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung am Mittwoch verkündet hatte – ein Ereignis, das die Stimmung am Markt maßgeblich prägte.

Fed-Entscheidung drückt auf den Preis

Die Federal Reserve beließ den Leitzins am Mittwoch in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Das Abstimmungsergebnis fiel mit 9 zu 3 Stimmen aus, wobei drei der fünf regionalen Notenbankpräsidenten für eine Anhebung votierten – ein ungewöhnlich deutliches Signal für Uneinigkeit im Gremium. Der US-Dollar-Index reagierte mit einem Sprung über die Marke von 100 Punkten, ein Plus von 0,3 Prozent, und entzog Gold damit einen wichtigen Rückhalt. Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 65 Prozent für eine weitere Zinserhöhung im September ein.

Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte das Inflationsziel von 2 Prozent, lieferte aber keine klaren Signale zur weiteren Zinsrichtung. Neel Kashkari von der Minneapolis Fed sprach sich unterdessen für eine mögliche Serie kleinerer Zinsschritte aus – eine Position, die die Unsicherheit unter den Währungshütern zusätzlich unterstreicht. Diese Gemengelage aus geldpolitischer Zurückhaltung und einzelnen Falken sorgt dafür, dass Gold as zinsloses Anlagegut an Attraktivität einbüßt, sobald der Dollar zulegt.

Zentralbanken kaufen wie selten zuvor

Während der Kurzfristtrend nach unten zeigt, liefert die strukturelle Nachfrageseite ein gegenläufiges Bild. Notenbanken weltweit kauften im zweiten Quartal netto 289 Tonnen Gold, ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der höchste Wert, den ein zweites Quartal je verzeichnete. Polen erhöhte seine Reserven um 51 Tonnen, China um 33 Tonnen.

Über das erste Halbjahr summierte sich die weltweite Goldnachfrage auf 2.522 Tonnen, ein Anstieg von 2 Prozent, mit einem Gesamtwert von 380 Milliarden US-Dollar – ein Rekord. Eine Umfrage unter Notenbanken ergab: 89 Prozent rechnen mit weiter steigenden eigenen Goldbeständen, 45 Prozent planen konkrete Zukäufe, und 74 Prozent gehen davon aus, dass der Anteil des Dollars an den globalen Reserven weiter sinkt.

Diese Verschiebung zeigt sich bereits in den Bilanzen: Gold hat nach EZB-Daten die US-Staatsanleihen als größte Reserveposition der Notenbanken überholt, mit einem Anteil von 27 Prozent gegenüber 22 Prozent. Insgesamt halten Zentralbanken mittlerweile mehr als 36.000 Tonnen des Edelmetalls. Louise Street, Analystin beim World Gold Council, verweist darauf, dass künftig vor allem Investitionen, der OTC-Handel und die asiatische Nachfrage das zweite Halbjahr prägen dürften, während westliche ETF-Käufe stärker von Realzinsen und der Fed-Politik abhängen.

Bodenbildung oder weitere Schwäche?

Für die kommenden Wochen bleibt der Markt gespalten. Der Marktbeobachter Fred Hickey sieht Anzeichen einer Bodenbildung: Die physische Nachfrage, insbesondere aus China, bleibe stark, während sich die Abflüsse aus Gold-ETFs zuletzt verlangsamt hätten. Technisch gilt eine Zone um 4.000 US-Dollar als wichtige Unterstützung, darunter rücken tiefere Marken in den Blick; nach oben markiert der Bereich um 4.100 US-Dollar den nächsten Widerstand.

Der Blick auf die mittelfristige Charttechnik relativiert die jüngste Schwäche: Mit einem RSI von 48,6 notiert Gold in neutralem Terrain, weder überkauft noch überverkauft. Zum Rekordhoch von 5.626,80 US-Dollar vom 29. Januar fehlen dem Edelmetall inzwischen 27,16 Prozent – ein Abstand, der die Korrektur der vergangenen Monate verdeutlicht, ohne den langfristigen Aufwärtstrend infrage zu stellen. Anleger richten den Blick nun auf den US-Arbeitsmarktbericht am 7. August und die US-Inflationsdaten am 12. August, die der Fed weitere Argumente für ihren künftigen Kurs liefern dürften.

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