Gold: Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen

Symbolbild, KI-generiert

Gold legt trotz höherer US-Zinserwartungen zu. Zentralbankkäufe stützen den Markt, während ETFs Abflüsse verzeichnen und das Wochenminus bleibt.

Auf einen Blick:
  • Golfkonflikt stärkt Absicherungsnachfrage nach Gold
  • US-Zinserhöhung wird wahrscheinlicher eingepreist
  • Notenbanken kauften 288,9 Tonnen
  • Gold-ETFs verzeichneten Abflüsse von 45 Tonnen

Im Persischen Golf spitzt sich die Lage zu. Iran meldete am Donnerstag einen Angriff auf zehn Schiffe nahe der Straße von Hormus – als Reaktion auf die Versenkung von fünf iranischen Öltankern durch die USA.

Die Revolutionsgarden kündigten weitere Eskalationsschritte an. Es handelt sich um die bislang umfangreichsten gegenseitigen Angriffe auf die Schifffahrt in der Region. Normalerweise würde eine derartige Zuspitzung Gold als sicheren Hafen beflügeln. Diesmal überlagert ein anderer Faktor das geopolitische Risiko.

US-Inflationsdaten schieben Zinserhöhung nach vorn

Stärker als erwartet ausgefallene US-Erzeugerpreise sorgten heute für Druck auf den Goldpreis. Der Produzentenpreisindex legte im Monatsvergleich um 0,4 Prozent zu, auf Jahresbasis um 5,4 Prozent – die Markterwartung lag bei 5,3 Prozent.

Die Reaktion an den Märkten fiel deutlich aus: Binnen einer Woche stieg die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung auf der Sitzung am 16. September von 40 auf über 70 Prozent. Für zinslos gehaltenes Gold ist das ein klarer Belastungsfaktor, denn steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des Edelmetalls gegenüber verzinsten Anlagen.

Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.351,19 Dollar je Feinunze und legte im Tagesverlauf um 0,8 Prozent zu – trotz der belastenden Zinsaussichten offenbar getragen von der Nachfrage nach Absicherung gegen die Konflikteskalation im Golf. Auf Wochensicht bleibt der Trend jedoch negativ: Binnen sieben Tagen verlor das Metall 1,8 Prozent, belastet von der rasant gestiegenen Zinserhöhungswahrscheinlichkeit.

Auch die EZB steht heute im Fokus: Für 14:15 Uhr war eine Zinsentscheidung angesetzt, eine Erhöhung galt als sehr wahrscheinlich. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten dagegen, dass die Fed ihren Leitzins auf der Septembersitzung und im weiteren Jahresverlauf 2026 unverändert lässt – ein Widerspruch zu den kurzfristig hochgeschnellten Markterwartungen, der die Unsicherheit an den Terminmärkten zusätzlich erhöht.

Zentralbanken bleiben strukturelle Stütze

Während kurzfristige Zinserwartungen den Preis drücken, liefert die Nachfrage der Zentralbanken weiterhin ein stabilisierendes Gegengewicht. Nach Angaben des World Gold Council kauften Notenbanken im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und ein Rekordwert für ein zweites Quartal.

Die polnische Nationalbank war mit 51 Tonnen größter Einzelkäufer und erhöhte ihre Reserven auf 632 Tonnen; die chinesische Notenbank kaufte 33 Tonnen hinzu.

Die Gesamtnachfrage inklusive OTC-Geschäften blieb mit 1.269 Tonnen im Quartalsvergleich stabil, für das erste Halbjahr ergab sich mit 2.522 Tonnen ein Plus von 2 Prozent und ein Rekordwert von 380 Milliarden Dollar.

Gegenläufig entwickelten sich Gold-ETFs: Sie verzeichneten Abflüsse von 45 Tonnen, ausgelöst durch schwächere Preise, gestiegene Inflations- und Zinserwartungen in Nordamerika sowie einen stärkeren Dollar. In Indien dämpfte eine um 9 Prozent erhöhte Importzoll-Belastung zusätzlich die Nachfrage, verstärkt durch einen Appell des Premierministers, Goldkäufe zu begrenzen.

Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken ergab zudem, dass 45 Prozent von ihnen auf Jahressicht weitere Goldkäufe planen – der höchste Anteil seit 2018, wie Bloomberg berichtete. Diese strukturelle Nachfrage dürfte den Preis auch dann stützen, wenn kurzfristige Zinsentscheidungen für Gegenwind sorgen.

Angebotsseite bleibt im Blick

Auf der Angebotsseite meldete Südafrika für Juni eine Produktionssteigerung von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – nach Rückgängen im April und Mai eine Umkehr des Trends.

Der Analyst Paul Manalo von S&P Global rechnet zudem damit, dass das globale Goldangebot 2026 mit 110 Millionen Unzen seinen Höhepunkt erreicht und bis 2028 auf 103 Millionen Unzen zurückgeht – ein Signal für eine mittelfristig engere Versorgungslage, das dem Preis in den kommenden Jahren zusätzlichen Rückhalt geben könnte.

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