Der Goldpreis hat am Freitag die Marke von 4.000 Dollar klar unterschritten. Auslöser sind Zinssorgen auf beiden Seiten des Atlantiks. Verstärkt wird der Druck durch einen breiten Abverkauf an den Märkten, der auch Edelmetalle mitreißt.
Zinsen als Gegenwind
Zuletzt kostete die Feinunze rund 3.880 Dollar, ein Minus von etwa 4,5 Prozent. Gold nähert sich damit seinen Jahrestiefs. Im Oktober summiert sich der Verlust auf gut fünf Prozent. Silber gibt noch deutlicher nach und verliert rund sechs Prozent.
Der Hintergrund: Hohe Preise für Kraftstoffe und Gas treiben die Inflation. Sorgen vor neuen Kämpfen im Nahen Osten halten die Energiepreise hoch. An den Märkten rechnen die meisten Beobachter deshalb mit einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im Dezember. Die US-Notenbank Fed hält sich diese Option ebenfalls offen.
In den USA kletterte der bevorzugte Preisindikator der Fed im September auf 3,6 Prozent. Das liegt deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Da Gold keine Zinsen abwirft, machen steigende Renditen für Staatsanleihen das Metall weniger attraktiv.
Enthebelung an den Märkten
Hinzu kommt ein Verkaufsdruck, der mit Gold selbst wenig zu tun hat. Nach schwachen Reaktionen auf Zahlen von Amazon und Intel geraten KI-Aktien unter Druck. Marktbeobachter sehen darin eine allgemeine Enthebelung: Wer bei Tech-Werten Verluste schreibt, muss Sicherheiten nachschießen und verkauft womöglich andere Positionen, darunter Gold und Silber. Auch Bitcoin gibt nach, hier belastet zusätzlich ein Hackerangriff auf die Börse Binance.
Völlig eindeutig ist die Zinsfrage allerdings nicht. Die deutsche Inflationsrate fiel im Oktober stärker als erwartet unter drei Prozent, vor allem wegen des Tankrabatts. Die Commerzbank warnt trotzdem vor Entwarnung, weil die hohen Energiepreise schrittweise auf andere Güter durchschlagen dürften.
ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sieht dagegen keine Zweitrundeneffekte und hält eine Dezember-Erhöhung für nicht beschlossen. Die EZB ließ den Leitzins am Donnerstag unverändert.
Für Gold bleibt der Dezember der Knackpunkt. Bestätigt sich eine Zinserhöhung bei EZB und Fed, dürfte der Gegenwind anhalten. Signalisieren die Notenbanken dagegen Zurückhaltung, könnte das Metall seine Jahrestiefs verteidigen.
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