UBS erwartet für Gold über die kommenden Quartale deutlich höhere Preise, warnt aber vor einem erneuten Rückschlag an die Unterstützung. Die heute veröffentlichten Prognosen zeichnen damit kein Bild einer geradlinigen Erholung. Zentralbankkäufe und Zuflüsse in Goldfonds sprechen aus Sicht der Bank für steigende Notierungen. Kurzfristig könnte hartnäckige US-Inflation die jüngste Gegenbewegung jedoch wieder bremsen.
Höhere Ziele mit kurzfristigem Vorbehalt
UBS sieht Gold im Dezember 2026 bei 4.600 US-Dollar je Feinunze. Für März 2027 erwartet die Bank 5.000 US-Dollar, für September 2027 schließlich 5.400 US-Dollar. Das sind Prognosen, keine bereits erreichten Preisniveaus.
Die optimistische Perspektive verbindet UBS ausdrücklich mit einer Warnung: Die jüngste Erholung schließt einen erneuten Test des Unterstützungsbereichs nicht aus. Für Anleger unterscheiden sich damit die kurzfristige Belastbarkeit des Goldpreises und die längerfristige Einschätzung der Bank. Ein positiver Ausblick bedeutet nach dieser Analyse nicht, dass weitere Rücksetzer ausbleiben.
Gestern gewann Gold den zweiten Handelstag in Folge. Der Spotpreis schloss mit einem Tagesplus von 1,5% bei 4.196,07 USD je Feinunze. Käufe nach dem zuvor erreichten Zweimonatstief und sinkende US-Anleiherenditen stützten die Gegenbewegung.
Diese Erholung beseitigt die geldpolitischen Risiken nicht. Der Zinsausblick bleibt damit ein Gegenargument zur Erwartung einer dauerhaft kräftigen Goldrally.
Zentralbanken liefern längerfristige Unterstützung
Als wichtige Stütze nennt UBS die Nachfrage staatlicher Käufer. Nach vorläufigen Angaben der Bank kaufte China im September 23 Tonnen Gold. Für die offiziellen Käufe weltweit erwartet UBS jährlich 750–1.000 Tonnen.
Hinzu kommen Zuflüsse in Gold-ETFs. Die Kombination aus staatlicher Nachfrage und Käufen über börsengehandelte Fonds bildet einen Gegenpol zur weiterhin verhaltenen Nachfrage in Indien und China. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen den Käufergruppen: Schwäche im physischen Markt und steigende Zentralbankbestände können gleichzeitig auftreten.
Auch Morgan Stanley bleibt auf Zwölfmonatssicht positiv. Amy Gower sieht Aufwärtspotenzial trotz hoher Anleiherenditen, eines stärkeren US-Dollars und hoher Ölpreise. Bei Rücksetzern würde die Bank Positionen dem Bericht zufolge eher aufstocken.
Morgan Stanley erwartet, dass Gold in der zweiten Jahreshälfte 2027 wieder über 5.000 US-Dollar je Feinunze steigt. Zentralbankkäufe insbesondere aus China und Polen sowie ETF-Zuflüsse tragen diese Einschätzung. Hohe oder weiter steigende US-Zinsen bleiben allerdings auch für die Bank ein Risiko.
Inflationsdaten werden zum nächsten Prüfstein
Der nächste konkrete Termin für den Goldmarkt ist die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise für September am 14. Oktober. Hartnäckige Inflation könnte den Preis erneut an die Unterstützung von 4.000 US-Dollar je Feinunze führen.
Damit richtet sich der kurzfristige Blick auf die Frage, ob die Inflationsdaten zusätzliche Zinserhöhungen wahrscheinlicher machen. Die längerfristigen Argumente der Banken würden dadurch nicht automatisch entfallen.
Die jüngste Erholung wäre aber erneut einem Belastungstest ausgesetzt. UBS verbindet ihre steigenden Kursziele deshalb mit einem klaren Vorbehalt: Die Unterstützung durch Käufer schützt Gold nicht zuverlässig vor weiteren Rücksetzern.
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