Gold: Sicherer Hafen versagt bei Hormus-Krise

Trotz Eskalation im Nahen Osten fällt der Goldpreis auf ein Sechsmonatstief. Steigende US-Inflation und Zinserhöhungsängste belasten das Edelmetall stärker als die Nachfrage nach sicheren Häfen.

Auf einen Blick:
  • Gold fällt auf Sechsmonatstief
  • US-Inflation treibt Zinsangst
  • Ölpreis steigt deutlich an
  • EZB-Zinsentscheidung im Fokus

Im Nahen Osten eskaliert die Lage. Die iranische Regierung schließt die Straße von Hormus. Normalerweise treibt ein solches Szenario den Goldpreis massiv an. Aktuell passiert das Gegenteil. Das Edelmetall kämpft nach einem tiefen Sturz um Bodenhaftung.

Am Donnerstag notiert Spot-Gold bei rund 4.077 US-Dollar pro Unze. Das ist nur ein minimales Plus. Zuvor war der Preis auf ein Sechsmonatstief von knapp 4.022 US-Dollar abgerutscht. Die Folge: Der Status als sicherer Hafen greift nicht. Zinsängste überlagern die Furcht vor Lieferengpässen.

US-Inflation schürt Zinsangst

Ein massiver Belastungsfaktor kommt aus den USA. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai um 4,2 Prozent. Das markiert den höchsten Stand seit drei Jahren. Hohe Energiekosten treiben die Teuerung an. Die Kerninflation liegt bei 2,9 Prozent.

Diese Entwicklung setzt die US-Notenbank unter Zugzwang. Die Federal Reserve könnte die Zinsen weiter anheben. Der Markt preist eine Zinserhöhung bis Dezember mittlerweile mit über 70 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen klettert folglich über 4,5 Prozent. Das macht das unverzinste Gold unattraktiv.

Ölpreis springt, Gold zögert

Die militärische Eskalation zeigt sich derweil deutlich am Ölmarkt. Nach US-Angriffen auf iranische Ziele reagierte Teheran mit der Sperrung der wichtigen Meerenge. Brent-Rohöl verteuerte sich sofort um über zwei Dollar auf 93,44 US-Dollar pro Fass. Gold reagiert auf diese fundamentale Krise erstaunlich schwach.

Im weiteren Tagesverlauf blicken Händler nach Europa. Die Europäische Zentralbank entscheidet über den Leitzins. Analysten erwarten den ersten Zinsschritt nach oben seit September 2023. Die Eurozonen-Inflation zwingt mit 3,2 Prozent zum Handeln. Eine straffere EZB-Politik bewegt oft auch den US-Dollar.

Am Nachmittag rücken die US-Erzeugerpreise in den Fokus. Fallen diese Vorläuferdaten ebenfalls hoch aus, droht dem Goldpreis neuer Gegenwind. Charttechniker sehen die erste wichtige Unterstützung bei 4.000 US-Dollar. Bricht diese Marke, verschärft sich der Abwärtsdruck. Ein massiver Widerstand wartet erst wieder bei 4.367 US-Dollar.

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