Der Konflikt um Chinas Rolle im globalen Goldhandel eskaliert. Die London Bullion Market Association (LBMA) kündigte am Donnerstag die Suspendierung der Hunan Shuikoushan Nonferrous Metals Group von ihrer Good-Delivery-Liste an, nachdem das Unternehmen eine modifizierte Compliance-Stellungnahme abgegeben hatte. Es ist bereits der zweite chinesische Raffineur binnen weniger Wochen: Zuvor hatte die LBMA Shandong Gold Smelting nach dessen Aufnahme in die US-Entity-List unter dem Uyghur Forced Labor Prevention Act von der Liste gestrichen.
Die China Gold Association reagierte scharf und warf den USA sowie der LBMA vor, die Entity-List gezielt gegen die chinesische Goldindustrie einzusetzen. Der Schlagabtausch bleibt nicht ohne Marktfolgen: Am Mittwoch drehte der Goldpreis an der Shanghai Gold Exchange erstmals von einem Aufschlag zu einem Abschlag gegenüber dem Londoner Spotpreis – ein ungewöhnliches Signal für einen Markt, der traditionell mit Prämien gegenüber dem Westen handelt.
Preis bleibt trotz Unsicherheit fest
Der Streit um die Raffinerien belastet den Goldpreis bislang nicht. Zum Wochenschluss stieg das Edelmetall um 1,9 Prozent auf 4.661,60 US-Dollar je Feinunze, binnen sieben Tagen summiert sich das Plus auf 4,2 Prozent.
Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 15 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 7,8 Prozent. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 US-Dollar aus dem Januar fehlen noch 17 Prozent, vom Jahrestief im August liegt der Kurs dagegen 38 Prozent entfernt.
Die Marktstruktur-Reibereien treffen auf ein ohnehin schon verändertes Handelsumfeld in China: Die Behörden hatten bereits im Juli den Banken untersagt, Privatkunden Hebelprodukte auf Kontrakte der Shanghai Gold Exchange anzubieten. Verschärfte Kontrollen und nun der Streit um Raffinerie-Standards zeichnen das Bild eines Marktes, der stärker reguliert und stärker von westlichen Compliance-Vorgaben durchdrungen wird als bisher.
Zentralbanken kaufen unbeirrt weiter
Während sich der institutionelle Handel neu sortiert, bleibt die physische Nachfrage von Notenbanken robust. Im zweiten Quartal kauften Zentralbanken laut World Gold Council netto 288,9 Tonnen Gold – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Die Volksbank von China erhöhte ihre Bestände um 33 Tonnen, den größten Einzelquartalskauf seit Ende 2023, und setzte damit eine seit 21 Monaten laufende Kaufserie fort. Polen führte das Feld mit 51 Tonnen an und arbeitet weiter auf sein Ziel von 700 Tonnen Goldreserven hin.
Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Notenbanken ergab zudem, dass 45 Prozent für die kommenden zwölf Monate weitere Käufe planen – der höchste seit 2018 gemessene Anteil. Diese strukturelle Nachfrage dürfte den Markt auch dann stützen, wenn sich der Handelsstreit zwischen China und der LBMA weiter zuspitzt, denn Notenbankkäufe laufen weitgehend unabhängig von den Compliance-Fragen der Raffinerie-Zertifizierung.
Die Fed-Sitzung am 15. und 16. September gilt in der Branche als das nächste entscheidende Ereignis für die Zinserwartungen und damit für den Goldpreis. Bis dahin dürfte der Streit um die Good-Delivery-Standards die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf strukturelle Fragen des globalen Goldhandels lenken – abseits der reinen Preisbewegung.
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