Eigentlich hat Gold gerade alles, was eine Rally braucht: ein schwächerer Dollar, sinkende Ölpreise, chinesische Käufer im Kaufrausch. Trotzdown kommt der Preis kaum vom Fleck. Das Edelmetall pendelt seit Wochen um die Marke von 4.000 Dollar – und genau diese Diskrepanz zwischen guten Nachrichten und stagnierendem Kurs wirft Fragen auf.
Hormuz-Hoffnung drückt Dollar und Öl
Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent schürten am Dienstag Hoffnungen auf eine Einigung im Iran-Konflikt und eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr. Die Folge: Ölpreise gaben nach, der Dollar geriet unter Druck. Die Feinunze Gold kostete am Nachmittag 4.082 Dollar, rund 30 Dollar mehr als am Vortag – XAU/USD bleibt damit unter der psychologisch wichtigen Marke von 4.100 Dollar, wobei der 21-Tage-Durchschnitt kurzfristig Halt gibt.
Zusätzlichen Rückenwind lieferten schwächer als erwartete JOLTS-Daten zu offenen Stellen in den USA. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die ADP-Beschäftigungszahlen und den Nonfarm-Payrolls-Bericht. Beide könnten die Zinserwartungen und damit den Dollar in den kommenden Tagen neu justieren.
Warum die Rally trotzdem stockt
Chinesische Investoren kaufen so kräftig wie seit Monaten nicht mehr. Allein das reicht derzeit nicht, um Gold aus seiner Spanne zu befreien. Die Analysten von Jefferies liefern eine Erklärung: Gold und Realzinsen haben sich wieder gekoppelt, und die Realzinsen sind zuletzt deutlich gestiegen. Der 10-jährige TIPS-Realzins liegt bei rund 2,41 Prozent, der Cleveland-Realzins bei etwa 2,08 Prozent – beide spürbar höher als noch zu Jahresbeginn 2026.
Der Grund: Die Markterwartung hat sich von ein bis zwei Zinssenkungen zu Jahresbeginn hin zu ein bis zwei möglichen Zinserhöhungen gedreht. Das hat Gold laut Jefferies rund 25 Prozent von seinen Höchstständen entfernt, der Gold-ETF GLD verlor in drei Monaten 13 Prozent, der Minenwerte-ETF GDX 17 Prozent. Historische Vergleiche mit dem Taper Tantrum 2013, dem Zinshoch 2018 und dem Straffungszyklus 2022 zeigen laut Jefferies: Ob sich Gold nach solchen Phasen erholt, hängt fast ausschließlich davon ab, ob der Druck auf die Realzinsen nachlässt.
Stützend wirken laut Jefferies weiterhin Notenbankkäufe, geopolitische Unsicherheit, fiskalische Sorgen und die De-Dollarisierung – Faktoren, die Gold mehr Rückhalt geben als in früheren zinsgetriebenen Abschwüngen. Die Zinsmärkte sind derzeit auf eine straffere Geldpolitik bis 2027 eingestellt, doch das könnte sich rasch ändern, sollte sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran auflösen. Die ADP-Zahlen und der Nonfarm-Payrolls-Bericht in den kommenden Tagen dürften zeigen, in welche Richtung sich die Zinserwartungen als Nächstes bewegen.
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