Der Goldpreis hat in zwei Handelstagen rund 1,9 Prozent verloren. Was nach einer normalen Korrektur klingt, offenbart einen tieferen Riss: Das Edelmetall kämpft gegen eine Zentralbank, die entschlossener klingt als erwartet.
Fed und Dollar drücken auf den Preis
Am 23. Juni fiel Gold um 1,6 Prozent auf 4.126 US-Dollar je Unze. Am Folgetag setzte sich der Rückgang fort — ein weiteres halbes Prozent auf rund 4.097 Dollar. Der Schlusskurs gestern lag bei 4.155 Dollar. Über sieben Tage summiert sich das Minus auf knapp drei Prozent.
Der Haupttreiber: die US-Notenbank. Das CME FedWatch Tool beziffert die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im September auf rund 70 Prozent. Höhere Zinsen machen festverzinsliche Anlagen attraktiver. Gold wirft keine Zinsen ab — der Preis dafür steigt.
Hinzu kommt der US-Dollar. Der DXY-Index überschritt am 23. Juni erstmals seit Mai 2025 wieder die Marke von 100 und erreichte 101,35 Punkte. Ein starker Dollar verteuert Gold für alle Käufer außerhalb des Dollarraums. Die Nachfrage sinkt.
Geopolitik tritt in den Hintergrund
Friedenssignale aus den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran haben den Ölpreis gedrückt. Den Goldmarkt bewegen sie kaum. Widersprüchliche Meldungen zu Atominspektionen halten die Unsicherheit am Leben — aber die Zinsdebatte dominiert.
Deutsche Bank und Goldman Sachs haben ihre Goldpreisprognosen für 2026 bereits nach unten korrigiert. Ein wichtiger Datentest folgt noch heute: der PCE-Inflationsbericht für Mai. Er könnte der Fed Argumente liefern — in beide Richtungen.
Zentralbanken kaufen, Schmuckkäufer zögern
Trotz der Schwäche gibt es eine stabile Stütze. Zentralbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold — drei Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2022 liegen die jährlichen Nettokäufe jeweils über 1.000 Tonnen. Diese strukturelle Nachfrage bremst stärkere Einbrüche.
Anders die Schmucknachfrage: Die hohen Preise der vergangenen Monate haben Privatkäufer zurückgehalten. Das Niveau bleibt gedrückt.
Technisch zeigt der RSI mit 35,8 eine überverkaufte Zone an. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.627 Dollar ist Gold inzwischen mehr als 26 Prozent entfernt. Ob der PCE-Bericht heute die Verkäufer bremst oder die nächste Abwärtswelle auslöst, entscheidet sich in den kommenden Stunden.
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