Friedenshoffnungen im Nahen Osten und ein schwächerer Dollar haben dem Goldpreis am Freitag kräftigen Auftrieb gegeben. Die Feinunze kletterte auf rund 4.590 Dollar — ein Plus von gut 60 Dollar gegenüber dem Vortag.
Hormus-Öffnung als Katalysator
Der entscheidende Impuls kam aus Washington. Berichte über ein mögliches Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran sorgten für merkliche Erleichterung an den Märkten. Das Dokument soll den laufenden Waffenstillstand um 60 Tage verlängern und den Weg für Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ebnen. US-Präsident Trump kündigte via Social Media eine „finale Entscheidung“ nach einem Treffen im Situation Room an — und formulierte seine Bedingungen klar: kein iranisches Nuklearprogramm, sofortige Wiedereröffnung der Straße von Hormus, Räumung aller Seeminen.
Aus Teheran kamen indes widersprüchliche Signale. Irans Parlamentspräsident betonte, sein Land sichere sich Zugeständnisse „mit Raketen, nicht mit Verhandlungen“. Die Tasnim-Nachrichtenagentur dementierte eine unmittelbar bevorstehende Einigung.
Paradoxe Marktreaktion
Für Gold ergibt sich daraus eine ungewöhnliche Konstellation. Die Aussicht auf eine geöffnete Meerenge ließ den Ölpreis nachgeben — WTI fiel auf rund 87 Dollar je Barrel. Ein entspannteres Energiepreisniveau dämpft langfristig den Inflationsdruck, was eigentlich gegen Gold spricht. Parallel dazu schwächelte der Dollar leicht, was das Edelmetall als Alternativanlage attraktiver macht.
Hinzu kommt die Konjunkturdaten-Seite. Der amerikanische Kerndeflator für private Konsumausgaben (Core PCE) stieg im April auf Jahresbasis um 3,3 Prozent — im Rahmen der Erwartungen, aber weit genug über dem Fed-Ziel, um Zinssenkungsfantasien zu bremsen. Hawkische Töne aus dem Fed-Umfeld begrenzen das Aufwärtspotenzial für das Edelmetall.
Dritter Monatsverlust in Folge droht
Trotz der aktuellen Erholung läuft Gold Gefahr, im Mai den dritten monatlichen Rückgang hintereinander zu verbuchen. Zwischenzeitlich war die Notierung bis auf 4.366 Dollar gefallen — der tiefste Stand seit zwei Monaten. Ob der Freitags-Schwung ausreicht, um das Monatsbild zu drehen, hängt davon ab, wie konkret die Iran-Gespräche in den kommenden Tagen werden.
Trump hat für das Wochenende eine Entscheidung angekündigt. Kommt ein unterzeichnetes Abkommen, dürfte sich der geopolitische Risikoaufschlag im Goldpreis zumindest teilweise abbauen — eine echte Einigung wäre für das Edelmetall also keine eindeutig bullische Nachricht.
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