Gold: Inflation auf 3,8 Prozent, Senkungen zu 2,6 Prozent

Steigende US-Inflation und hohe Anleiherenditen setzen den Goldpreis unter Druck, während Zentralbanken weiter kaufen.

Auf einen Blick:
  • US-Inflation steigt auf 3,8 Prozent
  • Zinssenkungswahrscheinlichkeit sinkt auf 2,6 Prozent
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold
  • Globale Goldnachfrage erreicht Rekordniveau

Goldpreis nahe dem tiefsten Stand seit Ende März, steigende Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs und ein Fed-Gremium, das intern stärker gespalten ist als lange — das Umfeld für das Edelmetall hat sich in kurzer Zeit deutlich eingetrübt. Am heutigen Mittwoch um 18:00 Uhr UTC veröffentlicht die Fed das Protokoll ihrer letzten Sitzung. Es dürfte wenig Trost für Goldanleger bereithalten.

Inflation macht Zinssenkungen unwahrscheinlich

Der US-Verbraucherpreisindex kletterte im April auf 3,8 Prozent im Jahresvergleich — erwartet worden waren 3,7 Prozent, nach 3,3 Prozent im März. Energie allein trieb mehr als 40 Prozent des Anstiegs und hievte die Gesamtinflation auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren.

Die Reaktion an den Terminmärkten war eindeutig: Zinssenkungserwartungen verschwanden praktisch über Nacht. Laut CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit einer Senkung im Juni bei gerade einmal 2,6 Prozent. Rund 37 Prozent der Marktteilnehmer preisen inzwischen sogar eine Erhöhung bis Jahresende ein.

Hintergrund: Die Fed beließ ihren Zielkorridor zuletzt bei 3,50 bis 3,75 Prozent — vier Mitglieder stimmten abweichend, ein ungewöhnliches Zeichen echter Spaltung. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit Juli 2007, nahe 5,20 Prozent. Restriktive Zinsen machen festverzinsliche Anlagen gegenüber dem zinslosen Gold attraktiver. Das ist das strukturelle Problem des Moments.

Geopolitik hält Energiepreise erhöht

Verschärft wird die Lage durch den Nahost-Konflikt. Die USA und der Iran stecken in einer Pattsituation fest, die kommerzielle Schiffe durch die Straße von Hormus blockiert und den globalen Energiemangel verlängert. Höhere Energiepreise nähren die Inflation — und stärken die Position der restriktiven Fed-Mitglieder.

Zentralbanken kaufen weiter

Das Gegengewicht liefert die strukturelle Nachfrage. Im ersten Quartal 2026 erreichte die globale Goldnachfrage inklusive OTC rund 1.231 Tonnen — ein Plus von zwei Prozent zum Vorjahr, in Dollar gerechnet ein Rekord von 193 Milliarden US-Dollar.

Zentralbanken kauften netto geschätzte 244 Tonnen, über dem Fünfjahresdurchschnitt. Die Polnische Nationalbank war erneut der größte Käufer mit 31 Tonnen. Die People’s Bank of China stockte im ersten Quartal um 7 Tonnen auf, im April nochmals um 8 Tonnen — die höchste monatliche Aufstockung seit Dezember 2024 und die 18. in Folge. Die offiziellen chinesischen Goldreserven liegen damit bei 2.322 Tonnen. Die Nachfrage nach Münzen und Barren stieg im Quartal um 42 Prozent auf 474 Tonnen — der zweithöchste Quartalswert aller Zeiten.

Der LBMA-Konsens für 2026 liegt bei 4.742 US-Dollar je Unze. Ob das FOMC-Protokoll heute Abend neue Hinweise auf die Richtung der Geldpolitik liefert oder die Unsicherheit weiter vertieft, dürfte die kurzfristige Richtung des Goldpreises maßgeblich mitbestimmen — neben den PMI-Daten für Mai und den Inflationserwartungen der Universität Michigan, die ebenfalls diese Woche anstehen.

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