Gold: Indiens 18,45-Prozent-Zoll trifft Markt

Indien verdoppelt Importzölle auf Gold, während US-Inflationsdaten Zinssenkungserwartungen dämpfen. Der Goldpreis fällt um 3,5 Prozent in einer Woche.

Auf einen Blick:
  • Indien erhöht Goldimportzölle drastisch
  • US-Inflation bremst Zinssenkungshoffnungen
  • Goldpreis fällt um 3,5 Prozent wöchentlich
  • Globale Goldnachfrage erreicht Rekordniveau

Indien verdoppelt die Importzölle auf Gold — und trifft damit den zweitgrößten Goldmarkt der Welt genau dann, wenn das Edelmetall ohnehin kämpft. Seit dem 13. Mai gilt ein effektiver Zollsatz von 15 Prozent, vorher waren es 6 Prozent. Zusammen mit der integrierten Mehrwertsteuer steigt die Gesamtbelastung auf Goldimporte auf 18,45 Prozent — mehr als doppelt so viel wie zuvor.

Hintergrund ist der Druck auf Indiens Devisenreserven. Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Energiepreise, Indien gehört zu den Ländern, die besonders stark unter Störungen der Straße von Hormus leiden. Premierminister Modi hatte kurz vor der Zollerhöhung sogar öffentlich an die Bürger appelliert, Gold-Käufe freiwillig zu reduzieren.

Advance-Authorisation-Programm eingeschränkt

Einen Tag nach der Zollerhöhung folgte die nächste Maßnahme: Die Directorate General of Foreign Trade begrenzte Goldimporte im Rahmen des Advance-Authorisation-Programms auf maximal 100 Kilogramm pro Genehmigung. Bislang gab es keine solche Mengenbeschränkung. Das Ziel ist, Missbrauch zollfreier Einfuhrmöglichkeiten durch Schmuckexporteure zu unterbinden.

US-Inflation würgt Zinssenkungsfantasie ab

Parallel dazu belasten die USA den Goldmarkt von einer anderen Seite. Die Großhandelspreise stiegen im April so stark wie seit 2022 nicht mehr, der Verbraucherpreisindex legte mit 3,8 Prozent im Jahresvergleich stärker zu als erwartet. Die Folge: Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinssenkung im Juni fiel laut CME FedWatch auf nahezu null — aktuell preist der Markt sogar eine Zinserhöhung im Dezember mit rund 50 Prozent ein.

Gold reagiert kurzfristig stärker auf Realzinsen und Dollar-Stärke als auf die Inflation selbst. Höhere Realrenditen und ein festerer Dollar sind klassische Gegenwind-Faktoren für das nicht-zinstragende Metall. Der Kurs schloss am Freitag bei 4.555,80 Dollar je Unze — ein Wochenminus von rund 3,5 Prozent und rund 16 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.450 Dollar.

Strukturelle Stärke gegen kurzfristigen Gegenwind

Das fundamentale Bild bleibt trotzdem stabil. Die globale Goldnachfrage erreichte im ersten Quartal 2026 laut World Gold Council einen Rekordwert: Einschließlich OTC-Investitionen stieg sie um 2 Prozent auf 1.230,9 Tonnen. Zentralbanken kauften in diesem Zeitraum 244 Tonnen, die Barren-und-Münzen-Nachfrage lag auf dem zweithöchsten je verzeichneten Quartalsniveau.

Charttechnisch testet Gold das 0,382-Fibonacci-Retracement bei rund 4.540 Dollar. Das bullische Grundszenario gilt als intakt, solange die Zone um 4.380 Dollar hält. In der kommenden Woche liefern die FOMC-Sitzungsprotokolle vom 20. Mai den nächsten wichtigen Hinweis: Bei der letzten Fed-Sitzung gab es vier abweichende Voten — eine Spaltung, die den Protokollen besonderes Gewicht gibt. JP Morgan prognostiziert für das vierte Quartal 2026 einen Goldpreis von 5.055 Dollar je Unze.

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