Der Goldmarkt hat ein Problem: Beide Kräfte, die den Preis normalerweise stützen, ziehen gerade in dieselbe Richtung — nach unten. Geopolitische Entspannungshoffnung und steigende Inflationssorgen lähmen den Kurs gleichzeitig.
Hormuz-Verhandlungen: Waffenruhe mit Haarrissen
Der US-Iran-Konflikt befindet sich in einem merkwürdigen Schwebezustand. Einerseits laufen Gespräche in Katar über eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe und eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Andererseits haben US-Streitkräfte am Dienstag iranische Boote sowie Raketenstellungen nahe Bandar Abbas angegriffen — Iran wertete das als Zeichen schlechten Willens. Außenminister Rubio dämpfte Erwartungen auf eine schnelle Einigung, betonte aber, die Meerenge werde „so oder so“ wieder öffnen.
Für Gold ist das eine ambivalente Lage. Eine echte Einigung würde Ölpreise drücken und Risikoappetit wecken — beides Gegenwind für das Edelmetall. Solange die Verhandlungen stocken, bleibt die Unsicherheitsprämie im Preis.
Kashkari und die Zinswende
Das zweite Belastungsgewicht kommt von der Federal Reserve. Notenbanker Neel Kashkari erklärte, Inflation sei inzwischen eine größere Sorge als Schwäche am Arbeitsmarkt. Laut FedWatch-Tool halten Marktteilnehmer Zinserhöhungen bis Jahresende für wahrscheinlicher als Zinssenkungen — konkret stehen 47,4 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung nur 0,6 Prozent für eine Senkung gegenüber. Höhere Zinsen verteuern die Haltung von Gold und bremsen Käufer.
Der Goldpreis notierte am Mittwochmorgen im Bereich zwischen 4.475 und 4.520 Dollar — eine enge Handelsspanne, die technisch unter Druck gerät. Kein Wunder, dass Anleger vorsichtiger werden: Konsolidierungen in dieser Zone können schnell kippen.
Wie es weitergeht
Am Donnerstag stehen mehrere US-Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, hinzu kommen weitere Statements von Fed-Vertretern. Diese Kombination dürfte kurzfristig für Bewegung sorgen — besonders wenn Inflationsdaten die Erwartungen eines restriktiveren Kurses der Fed bestätigen. Eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus würde Ölpreise deutlich entlasten und den Flucht-in-Sicherheit-Effekt bei Gold abschwächen. Der nächste entscheidende Datenpunkt für das Edelmetall ist damit Donnerstag.
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