Vier Verlustwochen in Folge, ein kurzer Ausflug unter 4.000 Dollar — und dann der Schwenk. Am Freitag legte Gold rund 58 Dollar zu und schloss bei etwa 4.085 Dollar je Feinunze. Der Auslöser: sinkende Ölpreise nach der Wiedereröffnung der Straße von Hormuz, schwächere US-Inflationsdaten und ein nachgebender Dollar.
Was die Lage dreht
Das US-Kerninflationsmaß PCE stieg im Mai um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat — im Rahmen der Erwartungen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken auf 215.000. Beides zusammen dämpfte die Sorgen vor einer baldigen Zinserhöhung der Fed. Für Gold ist das relevant: Ein stabiles Niedrigzinsumfeld macht das Edelmetall attraktiver, weil es keine Rendite abwirft — und im Vergleich zu verzinsten Anlagen weniger kostet.
Der Dollar-Index fiel auf rund 101,32. Parallel dazu stärkte sich der Euro auf 1,1422 Dollar — auch das begünstigt Dollar-notierte Rohstoffe wie Gold für Käufer außerhalb der USA.
Neue Unsicherheit am Wochenende
Kurz nach dem Freitagsschluss kamen neue Meldungen aus der Region: Trotz des US-Iran-Waffenstillstands und der formellen Wiedereröffnung der Meerenge wurde ein Containerschiff in der Nähe von Omans Musandam-Exklave von einem unbekannten Geschoss getroffen. Verletzte gab es nicht, die Herkunft des Angriffs blieb unklar. Das Risiko für den Schiffsverkehr in der Region ist damit nicht verschwunden.
Genau das könnte Gold zum Wochenstart neuen Auftrieb geben. Geopolitische Unsicherheit bleibt einer der stärksten kurzfristigen Treiber für den sicheren Hafen.
Wo die Charttechnik entscheidet
Trotz des Freitagsanstiegs bleibt das technische Bild angeschlagen. Gold schloss die Woche bei rund 4.071 Dollar — der gleitende 50-Tage-Durchschnitt im 4-Stunden-Chart bei 4.157 Dollar wirkt als deutlicher Widerstand. Auf der Unterseite markiert der 20-Stunden-Durchschnitt bei 4.039 Dollar die erste Unterstützungszone.
Hält Gold über 4.071 Dollar, öffnet sich der Weg Richtung 4.145 Dollar. Gibt der Kurs diese Marke auf, rückt die Zone um 3.937 Dollar ins Blickfeld — ein Niveau, das zuletzt vor Monaten eine Rolle spielte. Das Wochenende bringt mit dem Hormuz-Zwischenfall einen neuen Unsicherheitsfaktor; wie die Märkte am Montag darauf reagieren, wird zeigen, ob die technische Gegenbewegung trägt.
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