Goldman Sachs warnt: Sollte sich der Inflationstrend im vierten Quartal nicht ändern, dürfte die US-Notenbank in diesem Zyklus mehr als nur einen weiteren Zinsschritt liefern. Diese Einschätzung der Bank trifft den Goldmarkt an einem empfindlichen Punkt – und liefert die eigentliche Erklärung dafür, warum der jüngste Rücksetzer beim Edelmetall mehr sein könnte als eine kurzfristige Verkaufswelle.
Dot-Plot als Belastungsfaktor
Auslöser der Nervosität ist die Prognose der Notenbank selbst. Die Fed-Offiziellen erwarten nun einen Leitzins von 4,1 Prozent zum Jahresende 2026 – deutlich höher als die im Juni noch veranschlagten 3,8 Prozent.
Für Anleger, die auf sinkende Realzinsen und damit steigende Goldpreise gesetzt hatten, ist das ein Dämpfer. Nur zwei Mitglieder sehen bereits das Ende der Zinsschritte erreicht.
Genau diese Verschiebung der Erwartungen sorgt bei Goldman Sachs für Skepsis gegenüber der Darstellung, es handle sich um eine „dovishe“ Entscheidung.
Analysten sehen Spielraum nach unten
Der IG-Analyst Sycamore ordnet die aktuelle Lage charttechnisch ein: Die 200-Tage-Linie verlaufe bei 4.539 Dollar, deutlich über dem zuletzt erreichten Hoch von 4.697 Dollar. Ein weiterer Rückgang in Richtung 4.200 Dollar sei möglich, mit einer nächsten Unterstützung erst bei 4.000 Dollar.
Solche Einschätzungen zeigen: Der Markt preist nicht mehr nur eine einzelne Zinsentscheidung ein, sondern eine grundsätzlich veränderte Zinslandschaft für die kommenden Jahre.
Der Spotpreis notierte am Mittwoch bei 4.261,64 Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,8 Prozent auf Tagesbasis. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 1,7 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass der Abwärtsdruck nicht erst mit der jüngsten Zinssitzung begonnen hat, sondern sich über Wochen aufgebaut hat.
Blick auf die nächsten Datenpunkte
Wichtiger als der einzelne Zinsschritt ist für Anleger nun die Frage, wie sich die Inflation im weiteren Jahresverlauf entwickelt. Die Notenbank selbst hat ihre Prognose für die PCE-Inflation 2026 auf 3,7 Prozent angehoben, für die Kernrate auf 3,4 Prozent – beides höher als im Juni veranschlagt. Das 2-Prozent-Ziel dürfte laut den aktuellen Projektionen erst 2029 erreicht werden.
Für Goldanleger bedeutet das: Solange die Inflationsdaten der kommenden Monate keine klare Trendwende zeigen, bleibt das Umfeld für das zinslose Edelmetall unbequem. Die Erwartung weiterer geldpolitischer Straffung dürfte den Dollar stützen und Gold zusätzlich belasten – die Analysten von Goldman Sachs sehen genau darin das entscheidende Risiko für die kommenden Wochen.
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