Starke Nachfrage, fallende Kursziele — beim Goldpreis klaffen Realität und Stimmung weit auseinander. Während Wall-Street-Banken ihre Prognosen drastisch kappen, greifen staatliche Akteure massiv zu. Das Edelmetall notiert aktuell bei rund 4.097 US-Dollar.
Banken ziehen die Reißleine
Die großen Finanzinstitute revidieren ihre Erwartungen nach unten. Die Deutsche Bank sieht den fairen Wert für eine Feinunze nun bei 4.300 US-Dollar. Goldman Sachs zog nach und reduzierte sein Jahresendziel auf 4.900 US-Dollar.
Der Grund für den Pessimismus liegt in Washington. Fed-Chef Kevin Warsh fokussiert sich streng auf Preisstabilität. Die Folge: Zinssenkungen für das Jahr 2026 sind praktisch vom Tisch.
Ein starker Dollar und steigende Realrenditen belasten das unverzinste Edelmetall schwer. Seit dem Rekordhoch im Januar verlor Gold rund 27 Prozent an Wert.
Physischer Hunger stützt den Kurs
Auf dem realen Markt zeigt sich ein völlig anderes Bild. Die Regierung von Ghana zwingt große Bergbauunternehmen ab Juli zu direkten Verkäufen. Sie müssen künftig fast ein Drittel ihrer Produktion an den Staat abtreten. Afrikas größter Goldproduzent will so seine Währungsreserven aufstocken.
Dieser Trend zieht sich durch die Welt. Laut dem World Gold Council erwarten knapp 90 Prozent der Zentralbanken steigende Goldreserven in den kommenden Monaten.
Ein starkes Signal lieferte auch die Terminbörse COMEX. Zum Verfall der Juni-Kontrakte forderten Investoren die physische Auslieferung von rund 120 Tonnen Gold. Das ist der höchste Wert seit Februar. Große Marktteilnehmer nutzen die tieferen Kurse offenbar für echte Käufe.
Bodenbildung im Gange
Aktuell ringt der Markt um Stabilität. Am Freitag legte der Kurs um knapp 1,4 Prozent zu. Die US-Inflationsdaten brachten keine bösen Überraschungen. Die Teuerung lag im Rahmen der Erwartungen bei 4,1 Prozent.
Technisch ist das Edelmetall stark angeschlagen. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von rund 37 eine überverkaufte Lage. Die Divergenz im Markt bleibt bestehen: Papiergold leidet unter der harten Fed-Linie, während physisches Gold knapp wird. Hält die Unterstützung bei 4.000 US-Dollar auf Wochenschlussbasis, könnte der Ausverkauf vorerst stoppen.
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