Gold: Fed-Sorgen schlagen Kriegsangst

Trotz US-Angriffen auf den Iran fällt der Goldpreis. Anleger fokussieren sich auf steigende Zinserwartungen und das anstehende FOMC-Protokoll.

Auf einen Blick:
  • Gold-Future fällt auf 4.141 Dollar
  • Zinsängste überlagern geopolitische Risiken
  • Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhung steigt
  • Chinas Notenbank kauft weiter Gold

Amerikanische Luftangriffe auf iranische Ziele, brennende Tanker in der Straße von Hormus – eigentlich das Lehrbuchszenario für einen steigenden Goldpreis. Trotzdem gibt das Edelmetall nach. Der Grund liegt nicht im Nahen Osten, sondern in Washington: Anleger rechnen zunehmend mit einer strafferen Geldpolitik der Fed.

Der aktivste Gold-Future für August fiel am Mittwochmorgen um 16,20 Dollar auf 4.141,20 Dollar je Feinunze.

Warum die Fluchtlogik nicht zieht

Das US-Militär flog am Dienstag eine neue Angriffswelle gegen den Iran und entzog dem Land die Lizenz für Ölexporte. Zuvor waren drei Tanker in der Straße von Hormus von Geschossen getroffen worden. Normalerweise würde eine solche Eskalation Anleger in den sicheren Hafen Gold treiben.

Allerdings überlagert derzeit die Zinslogik die Fluchtlogik. Steigende US-Anleiherenditen und ein festerer Dollar nehmen dem zinslosen Metall den Spielraum – der Ölpreissprung befeuert gleichzeitig neue Inflationssorgen.

FOMC-Protokoll rückt in den Fokus

Laut CME-FedWatch-Tool ist die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September binnen eines Tages von 57 auf 63 Prozent gestiegen. Anleger warten nun auf das Protokoll der Fed-Sitzung vom 16. und 17. Juni, das im Laufe des Mittwochs veröffentlicht wird und erste Hinweise auf den geldpolitischen Kurs unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh liefern soll.

Notenbanken bleiben Käufer

Trotz der aktuellen Schwäche bleibt die langfristige Nachfrage intakt. Chinas Notenbank kaufte im Juni bereits den 20. Monat in Folge Gold.

Die Reserven stiegen um 480.000 Feinunzen auf 75,4 Millionen Feinunzen – der stärkste Zukauf seit Oktober 2023. Commerzbank-Experte Carsten Fritsch führt das auf das gesunkene Preisniveau zurück, das die chinesische Notenbank offenbar zu stärkeren Käufen veranlasst habe.

Im Juni war der Goldpreis noch um rund zwölf Prozent gefallen, bevor die Marke von 4.000 Dollar wieder zurückerobert wurde. Die Erholung wirkt seither fragil – zwischen geopolitischem Risiko und geldpolitischer Zurückhaltung findet der Markt noch keine klare Richtung.

Bestätigt das FOMC-Protokoll den hawkishen Ton aus dem jüngsten Dot Plot, dürfte der Dollar weiter zulegen und Gold zusätzlich unter Druck setzen. Bleibt die Fed dagegen vage, könnte die Iran-Krise ihre eigentliche Wirkung als Kurstreiber doch noch entfalten.

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