Der Goldmarkt verzeichnet eine ungewöhnliche Diskrepanz zwischen langfristig orientierten Anlegern und kurzfristigen Spekulanten. Wie der World Gold Council analysierte, machten gegenläufige Signale den Vormonat außergewöhnlich: Während Investoren über börsengehandelte Fonds Bestände aufbauten, dominierten an den US-Terminbörsen deutliche Verkäufe das Geschehen.
Gegensätzliche Strömungen am Terminmarkt
Die Zuflüsse in globale Gold-ETFs beliefen sich im September auf mehr als 70 Tonnen. Zur selben Zeit bauten spekulative Marktteilnehmer an der COMEX ihre Positionen nach Angaben des Branchenverbands um 84 Tonnen Goldäquivalent ab. In der Kategorie des Spreadings schrumpften die Engagements um 156 Tonnen.
Diese gegenläufigen Bewegungen spiegeln ein anhaltendes Kräftemessen wider. Auf der einen Seite suchen Investoren Schutz vor geopolitischen Spannungen und fiskalischer Unsicherheit in Europa. Auf der anderen Seite lasten die Stärke der US-Währung und das Zinsumfeld auf dem zinslosen Edelmetall.
Laut einer Analyse von Reuters hält sich die Notierung dennoch stabil über der Marke von 4.000 US-Dollar je Unze. Neben dem seit 2022 veränderten Reserve- und Sanktionsumfeld stützen solide physische Zuflüsse den Markt, darunter chinesische Importe von 1.077 Tonnen in den ersten acht Monaten des Jahres.
Zinsängste und strukturelle Stützen
Am heutigen Dienstag geriet der Preis dennoch unter Abgabedruck, da der US-Dollar zulegte und die Renditen von US-Staatsanleihen auf Mehrjahreshochs kletterten. Capital.com-Analyst Kyle Rodda nannte geopolitische Risiken im Nahen Osten oder eine spürbare Veränderung der Zinserwartungen als nächste denkbare Impulse.
Gleichzeitig wirken langfristige Faktoren stabilisierend. Giovanni Staunovo, Analyst bei der UBS, bezeichnete die steigenden US-Staatsschulden als strukturellen Rückenwind für Gold.
Protokoll der Fed rückt in den Fokus
Am morgigen Mittwoch steht mit der Veröffentlichung des Fed-Sitzungsprotokolls am 7. Oktober der nächste geldpolitische Termin an, von dem sich Marktteilnehmer laut Reuters Hinweise auf den künftigen Zinskurs erhoffen. Am 9. Oktober folgt zudem der nächste Bericht der US-Aufsichtsbehörde CFTC zur Positionierung der Händler.
Bis dahin dürften die Zinsaussichten und die Bewegung der US-Anleiherenditen richtungweisend für den weiteren Kursverlauf bleiben. Händler wägen derzeit ab, wie stark eine Konjunkturabkühlung die US-Notenbank bremsen könnte.
Der Spotpreis notiert aktuell bei 4.141,30 USD je Feinunze und liegt damit 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Auf Sicht von 30 Tagen summiert sich der Rückgang auf 6,0 Prozent, was den jüngsten Druck durch hohe Renditen und den festen Dollar widerspiegelt.
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