Ein überraschender Schritt des US-Finanzministeriums bringt Bewegung in den Anleihemarkt – und schickt den Goldpreis auf ein neues Mehrmonatshoch. Die Feinunze kostete am Mittwochnachmittag rund 4.493 Dollar, ein Plus von etwa 158 Dollar gegenüber dem Vortag. Zwischenzeitlich rückte Gold laut Marktdaten sogar in Richtung 4.550 Dollar vor – der höchste Stand seit Anfang Juni.
Auslöser der Bewegung ist eine Ankündigung aus Washington: Das Finanzministerium will die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen deutlich ausweiten. Die Renditen 30-jähriger Anleihen waren zuletzt auf den höchsten Stand seit 2007 geklettert und hatten damit Sorgen an den Finanzmärkten geschürt. Mit dem Eingreifen des Ministeriums gaben die Renditen spürbar nach – und der Dollar geriet zu allen wichtigen Währungen unter Druck.
Sinkende Renditen als Kurstreiber
Für Gold ist der Zusammenhang simpel, aber wirkungsvoll: Sinken die Zinsen, sinken auch die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls. Anleihen werden weniger attraktiv, Gold gewinnt an relativer Stärke. Hinzu kommt ein psychologischer Faktor. Wenn der Staat selbst eingreifen muss, um seinen eigenen Anleihemarkt zu stabilisieren, werten das viele Investoren als Zeichen wachsender Anspannung im System – und suchen Zuflucht in Sicherheit.
Der Euro profitierte im gleichen Zug von der Dollarschwäche und kletterte auf 1,1674 Dollar, den höchsten Stand seit Ende Mai. Rabobank-Devisenstrategin Jane Foley verwies auf einen „beruhigten Anleihemarkt“, der dem Dollar Auftrieb genommen habe – begleitet von Sorgen über Inflation, Angebotsrisiken und eine zunehmende Rolle von Hedgefonds im Bestand an Staatsanleihen.
Charttechnisch hat Gold mit der Rückeroberung des 100-Tage-Durchschnitts ein wichtiges Signal gesetzt, die Kursmomentum-Indikatoren bleiben konstruktiv. Über die vergangenen drei Wochen summieren sich die Gewinne des Edelmetalls auf einen zweistelligen Prozentbereich. Minenaktien, die überproportional auf Goldpreisbewegungen reagieren, zählen zu den größten Profiteuren dieser Entwicklung.
Nun richtet sich der Blick auf das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung. Es dürfte zeigen, wie stark die Notenbank angesichts der Anleihemarkt-Turbulenzen und der Dollarschwäche zu einer lockereren Geldpolitik tendiert – ein Kurs, der dem Goldpreis weiteren Rückenwind geben könnte.
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