Chinas Goldnachfrage zieht an, kann den Druck durch steigende Zinserwartungen aber nicht ausgleichen. Die heute gemeldeten Importzahlen zeigen für September einen deutlichen Zuwachs. Gleichzeitig belasten der feste Dollar und hohe US-Anleiherenditen das Edelmetall. Für Anleger stehen damit kurzfristige Belastungen einer stärkeren physischen Nachfrage gegenüber.
China und Zentralbanken als Gegengewicht
Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong stiegen im September gegenüber August um mehr als 28% und erreichten ein Fünfmonatshoch. Reuters berichtete gestern über diese Entwicklung. Die Zahlen zeigen eine Belebung dieses Importkanals, während Gold auf den zweiten Monatsrückgang in Folge zusteuert.
Auch die Zentralbanknachfrage liefert ein Gegengewicht zum schwachen Marktumfeld. Dabei handelt es sich allerdings um rückblickende Angaben. Sie belegen Käufe in früheren Monaten, nicht eine unmittelbar bevorstehende Trendwende beim Goldpreis.
Goldman Sachs schätzt die Goldkäufe der Zentralbanken im August auf 79 Tonnen. Davon entfielen nach Einschätzung der Bank 25 Tonnen auf China. Das gesamte Monatsvolumen lag laut Goldman Sachs knapp beim Fünffachen des durchschnittlichen Monatsumfangs vor 2022.
Die Importzahlen und die Schätzung zu den Zentralbankkäufen betreffen unterschiedliche Nachfragebereiche. Zusammen unterstreichen sie dennoch, dass die jüngste Preisschwäche nicht mit einem generellen Ausbleiben physischer Käufer gleichzusetzen ist. Der Kaufbereitschaft stehen Belastungen durch Dollar und Renditen gegenüber.
Geldpolitik überlagert die Nachfrage
Im heutigen Handel behielten diese Belastungsfaktoren die Oberhand: Gold schloss bei 4.033,63 USD je Feinunze und verzeichnete eine Tagesveränderung von -0,8%. Die stärkeren chinesischen Importe reichten damit nicht aus, um den Preis gegen die geldpolitischen Sorgen abzuschirmen.
Die Fed hatte ihren Leitzins gestern unverändert gelassen. Zwei Mitglieder wollten eine Erhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh gab kein klares Signal für die nächste Entscheidung und verwies auf weitere Konjunkturdaten. Damit bedeutete die Zinspause keine Entwarnung für den Goldmarkt.
Laut Reuters preisten Händler heute über CME FedWatch rund 80% Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember ein. Im Mittelpunkt stand zugleich der US-PCE-Preisindex für September. Anhaltender Inflationsdruck könnte die Erwartungen einer weiteren Straffung festigen.
Für Goldanleger ist deshalb die Unterscheidung zwischen Nachfrage und Preistreibern entscheidend. Die Käufe aus China und von Zentralbanken sprechen für eine vorhandene physische Nachfragebasis. Kurzfristig dominieren jedoch die US-Zinserwartungen. Solange diese Belastung anhält, sind stärkere Importzahlen allein noch kein belastbares Signal für eine Erholung.
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