Die chinesische Notenbank hat ihre Goldreserven im August um 650.000 Feinunzen aufgestockt. Damit stiegen die Bestände der People’s Bank of China auf 76,73 Millionen Feinunzen, umgerechnet rund 2.386,57 Tonnen. Die Kaufserie läuft nun seit 22 Monaten ohne Unterbrechung – ein Beleg dafür, wie systematisch Peking seine Devisenreserven diversifiziert.
Der jüngste Kauf reiht sich in ein größeres Muster ein. Nach Angaben des World Gold Council erhöhten Zentralbanken weltweit ihre Goldbestände bereits im Juli per saldo um 23 Tonnen. China steuerte davon 20 Tonnen bei, Polen kaufte 8 Tonnen, die Tschechische Nationalbank 2 Tonnen.
Kasachstan, Malaysia und Bolivien ergänzten die Statistik mit jeweils einer Tonne. Im zweiten Quartal 2026 summierten sich die Nettokäufe der Notenbanken laut World Gold Council sogar auf 288,9 Tonnen – ein Rekordwert für ein zweites Quartal und ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Geopolitik treibt Umschichtungen
Nicht nur die Kaufmenge, auch der Lagerort rückt in den Fokus der Anleger. Die niederländische Zentralbank verlagerte zwischen März und August rund 86 Tonnen Gold von New York und Ottawa nach London.
Als Begründung nannte die DNB zunehmende geopolitische Unsicherheit und den Wunsch nach besserer Krisenvorsorge. Solche Transfers unterstreichen, dass Notenbanken Gold zunehmend als strategisches Absicherungsinstrument begreifen – unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen.
Diese strukturelle Nachfrage bildet einen Gegenpol zu den Belastungsfaktoren der vergangenen Wochen. Nachdem ein Fed-Gouverneur am vergangenen Freitag unveränderte Zinsen signalisiert hatte, gab der Goldpreis nach – seither um 0,6 Prozent.
Auch die vor rund zwei Wochen angekündigte Ausweitung des Rückkaufprogramms für US-Staatsanleihen konnte den Abwärtsdruck nicht stoppen, der Preis verlor seither 5,3 Prozent. Diese beiden Themen haben den Markt bereits beschäftigt und wirken derzeit eher dämpfend als treibend.
Notenbanken als Gegengewicht
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Rolle der Zentralbanken als Nachfrageanker an Bedeutung. Während geldpolitische Erwartungen und fiskalische Manöver in den USA kurzfristig für Volatilität sorgen, bauen Notenbanken wie die PBoC unbeirrt weiter auf.
Der aktuelle Spotpreis notiert bei 4.404,15 US-Dollar je Feinunze, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 21 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die strukturelle Nachfrage der Notenbanken den kurzfristigen Gegenwind bislang mehr als kompensiert hat.
Für Anleger bleibt die Botschaft eindeutig: Die geldpolitischen Debatten um Zinsen und Anleihekäufe bestimmen das Tagesgeschäft, doch die langfristige Nachfragebasis wird von Institutionen getragen, die nicht auf Quartalszahlen schauen.
Solange Notenbanken wie die chinesische ihre Käufe fortsetzen und gleichzeitig geopolitische Spannungen Lagerverlagerungen wie jene der Niederlande motivieren, bleibt Gold für viele Reservemanager eine strategische Position – unabhängig davon, wie die nächste Fed-Sitzung ausfällt.
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