Gold: China importiert 865 Tonnen, plus 89 Prozent

Notenbanken kaufen wieder deutlich mehr Gold, während Schmuck- und Investmentnachfrage einbrechen. Die Goldpreis-Prognosen der Banken gehen weit auseinander.

Auf einen Blick:
  • Zentralbanken kaufen wieder kräftig
  • Schmucknachfrage fällt auf Tiefststand
  • Goldpreis deutlich unter Rekordhoch
  • Banken uneins über Preisentwicklung

Der Weltgoldrat hat sein Nachfragebild für das zweite Quartal 2026 vorgelegt, und es zeigt einen Markt im Umbruch: Private Käufer ziehen sich zurück, Zentralbanken springen wieder ein. Nach dem am 30. Juli veröffentlichten Bericht blieb die globale Goldnachfrage im zweiten Quartal mit 1.269 Tonnen gegenüber dem Vorjahr unverändert. Für das erste Halbjahr summierte sich die Nachfrage auf 2.522 Tonnen, ein Plus von 2 Prozent, bewertet mit rekordhohen 380 Milliarden Dollar.

Notenbanken kehren nach schwachem Jahresstart zurück

Besonders auffällig ist die Kehrtwende der Zentralbanken. Nachdem die Käufe im ersten Quartal auf nur 57 Tonnen revidiert wurden – der niedrigste Wert seit 15 Jahren und ein Rückgang von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr –, kauften die Notenbanken im zweiten Quartal wieder 289 Tonnen, ein Anstieg von 62 Prozent im Jahresvergleich. Polen war mit 51 Tonnen größter Käufer, China folgte mit 33 Tonnen. Eine Umfrage des Weltgoldrats unter Notenbanken ergab, dass 89 Prozent der Institute davon ausgehen, ihre globalen Reserven würden weiter steigen, 45 Prozent planen konkret eine Aufstockung. Parallel dazu importierte China im ersten Halbjahr 865 Tonnen Gold, ein Anstieg von 89,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage im Land breiter angelegt ist als nur über die Notenbank.

Auch abseits der klassischen Käufer tut sich etwas: Der Stablecoin-Emittent Tether erwarb im zweiten Quartal 14 Tonnen Gold und hält inzwischen mehr als 146 Tonnen mit einem Wert von rund 18,8 Milliarden Dollar als Deckung.

Schmuck schwächelt, Anleger halten sich zurück

Auf der anderen Seite der Bilanz zeigt sich, wie stark hohe Preise die klassische Nachfrage dämpfen. Die Schmucknachfrage brach mengenmäßig um 17 Prozent ein, in China fiel sie im zweiten Quartal auf nur noch 50 Tonnen – den niedrigsten Stand seit 2005. Wertmäßig legte der Schmucksektor wegen der gestiegenen Preise dennoch um 22 Prozent auf 86 Milliarden Dollar zu, ein Beleg dafür, dass Volumen und Wert derzeit auseinanderlaufen.

Auch Anleger zeigten sich zurückhaltender: Die Investmentnachfrage außerhalb des OTC-Marktes brach auf 262 Tonnen ein, nach 487 Tonnen im Vorjahresquartal. Gold-ETFs verzeichneten im zweiten Quartal Abflüsse von 45 Tonnen. Auf der Angebotsseite blieb die Lage stabil: Die Minenproduktion stieg um 2 Prozent auf 966 Tonnen, während das Recycling zurückging.

Kurs pendelt unter dem Rekordhoch – Prognosen weit auseinander

Am Markt selbst hat sich die Rekordrally der ersten Jahreshälfte deutlich abgekühlt. Zum Wochenschluss am Freitag notierte Gold bei 4.098,60 Dollar je Feinunze, ein Tagesminus von 1,54 Prozent. Vom Rekordhoch aus Ende Januar bei 5.626,80 Dollar trennen den Kurs damit gut 27 Prozent, auch zum gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 4.199,84 Dollar liegt der Kurs derzeit im Minus. Der Juli brachte mit einem Plus von etwa 1 Prozent immerhin den ersten Monatsgewinn seit fünf Monaten.

Bei den Prognosen der Institute geht die Einschätzung derzeit deutlich auseinander. UBS bleibt optimistisch und erwartet eine stufenweise Erholung: 4.400 Dollar bis September, 4.600 Dollar bis Dezember, und darüber hinaus 5.000 Dollar bis März sowie 5.200 Dollar bis Juni 2027 – räumt zugleich aber ein Rückschlagrisiko bis auf 3.850 Dollar ein, sollte die US-Notenbank die Zinsen anheben. Commerzbank hat ihre Jahresendprognose für 2026 dagegen bereits zum zweiten Mal gesenkt, von 4.800 auf 4.500 Dollar, und begründet dies mit einer voraussichtlich lange restriktiven Fed-Politik sowie einem starken Dollar als Fluchtwährung. Das langfristige Ziel von 5.000 Dollar verschiebt Commerzbank auf das Jahr 2027, mit ersten Zinssenkungen der Fed nicht vor Mitte des Jahres. Mehrere weitere internationale Großbanken haben ihre Ziele zuletzt ebenfalls nach unten angepasst, wobei die Schätzungen für das laufende beziehungsweise kommende Jahr in einer Spanne von rund 4.300 bis 5.600 Dollar liegen.

Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Strukturell stützen anhaltende Notenbankkäufe und eine breitere Nachfrage aus Asien den Markt, während kurzfristig die Zinspolitik der Fed und ein starker Dollar für Gegenwind sorgen.

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