Gold: Bärenfalle von 4.046 auf 4.240 Dollar

Gold erholt sich deutlich von seinem Tiefstand, Chartexperten sehen eine klassische Bärenfalle. Die Fed-Sitzung nächste Woche wird richtungsweisend.

Auf einen Blick:
  • Starke US-Jobdaten lösen Ausverkauf aus
  • Gold erholt sich auf rund 4.240 Dollar
  • Zentralbanken kaufen weiterhin Gold
  • Fed-Zinsentscheid als nächster Impuls

Nach einem der turbulentesten Handelswochen des Jahres hat Gold eine bemerkenswerte Wende hingelegt. Vom Intraday-Tief bei 4.046 US-Dollar am Donnerstag erholte sich das Edelmetall bis Freitagabend auf rund 4.240 Dollar — ein Reversal, das Chartanalysten als klassische Bärenfalle werten.

Starke US-Jobdaten lösen Kaskade aus

Auslöser des Ausverkaufs war der US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Er meldete 172.000 neu geschaffene Stellen — mehr als doppelt so viele wie die erwarteten 80.000 bis 85.000. Die Folge: US-Anleiherenditen stiegen kräftig, der Dollar legte zu. Beides erhöht die Opportunitätskosten für das zinslose Gold und drückt den Preis.

Hinzu kam die veränderte Erwartung an die Federal Reserve. Robuste Konjunkturdaten lassen Marktteilnehmer eine länger restriktive Geldpolitik einpreisen. Für Gold ist das ein doppelter Gegenwind.

Reversal am Freitag — aber Chartbild bleibt angespannt

Am Freitag drehte die Stimmung abrupt. Nachdem Gold unter wichtige Unterstützungsmarken gefallen war, begannen Leerverkäufer einzudecken. Das beschleunigte den Anstieg zurück über die 4.200-Dollar-Marke.

Technisch sauber ist das Bild trotzdem nicht. Der RSI liegt bei 36 — überverkauft, aber noch kein Kaufsignal. Gold notiert weiterhin rund acht Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.600 Dollar. Eine nachhaltige Erholung setzt Analysten zufolge einen stabilen Schlusskurs über 4.310 Dollar voraus.

Seit dem 52-Wochen-Hoch von 5.627 Dollar im Januar hat Gold fast ein Viertel seines Wertes verloren. Der YTD-Verlust beträgt rund 2,4 Prozent.

Zentralbanken kaufen — und stützen den Markt

Während spekulative Anleger in dieser Woche Bestände abbauten, kauften Zentralbanken weiter. Im ersten Quartal 2026 erwarben sie netto rund 244 Tonnen Gold. Schwellenländer-Notenbanken treiben diese Nachfrage, um ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren.

Diese strukturelle Nachfrage bildet einen Boden, der rein zinsgetriebene Verkäufe abfedert. Kein Wunder, dass der Markt trotz des Einbruchs nicht kollabiert ist.

Fed-Sitzung als nächster Katalysator

In der kommenden Woche tagt die Federal Reserve und veröffentlicht ihren „Dot Plot“ — die Zinsprojektionen der Notenbankmitglieder. Zeigt der Plot eine länger restriktive Haltung als bisher erwartet, dürfte der Erholungsversuch schnell wieder enden. Bestätigt er hingegen eine Lockerung noch in diesem Jahr, könnte Gold die Zone zwischen 4.310 und 4.380 Dollar ernsthaft anlaufen. Hält die 4.200-Dollar-Marke zum Wochenstart nicht, rückt das Wochentief bei 4.046 Dollar wieder in den Blick.

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