Auf der Jahreskonferenz der London Bullion Market Association (LBMA) im italienischen Sorrent blicken die Branchenvertreter trotz der jüngsten Kursschwäche optimistisch nach vorn.
Im Rahmen der traditionellen Umfrage unter den Konferenzteilnehmern prognostizierten die Delegierten für Gold auf Sicht von zwölf Monaten einen Preis von 5.013,30 US-Dollar je Feinunze. Dies entspricht einem deutlichen Aufschlag gegenüber den aktuellen Bewertungsniveaus am Termin- und Spotmarkt.
Die Zuversicht der Konferenzteilnehmer speist sich vor allem aus strukturellen Nachfragetreibern. Als wesentliche Säulen für die langfristige Preisentwicklung nannten die Delegierten die anhaltenden Käufe der Notenbanken, die wachsende weltweite Staatsverschuldung und geopolitische Risiken.
Eine Umfrage von UBS Asset Management untermauert diesen Trend: Demnach stuften 65 Prozent der befragten Währungsreserven-Verwalter die Portfoliodiversifizierung als Hauptgrund für ihre Bestände an dem gelben Edelmetall ein.
Zinsdruck bremst den Edelmetallmarkt
Am Kassamarkt stand das Edelmetall zuletzt jedoch spürbar unter Druck. Am Mittwoch beendete Gold den Handel mit einem Tagesverlust von 1,3 Prozent bei einem Schlusskurs von 4.109,93 US-Dollar je Feinunze. Damit notiert das Edelmetall rund 27 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 US-Dollar.
Verantwortlich für die kurzfristige Schwächephase sind in erster Linie die Kapitalmarktzinsen in den USA. Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen kletterten zuletzt auf Mehrjahreshochs, was die Opportunitätskosten des unverzinslichen Edelmetalls nach oben treibt.
Zugleich hielten die Entscheidungsträger der US-Notenbank Federal Reserve laut dem Sitzungsprotokoll eine weitere Zinsanhebung bis zum Jahresende mehrheitlich für angemessen, was den US-Dollar stützte und Druck auf die Rohstoffnotierungen ausübte.
Divergierende Einschätzungen der Analysten
Unter den institutionellen Beobachtern gehen die Meinungen über den weiteren Jahresverlauf auseinander. Amy Gower, Leiterin der Metall- und Bergbaustrategie bei Morgan Stanley, rechnet damit, dass Gold in der zweiten Jahreshälfte 2027 wieder die Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze überschreiten dürfte.
Die Expertin verwies darauf, dass das Edelmetall trotz des Gegenwinds durch Renditen und Währungskurse oberhalb von 4.000 US-Dollar eine robuste Unterstützung gefunden habe.
Dagegen hält Rohstoffchef Bart Melek von TD Securities einen tieferen Rücksetzer für denkbar. Er sieht die Möglichkeit, dass der Preis im weiteren Verlauf des Jahres im Rahmen einer Korrektur noch einmal unter die Marke von 3.900 US-Dollar abtaucht, um dort einen Boden auszubilden.
Erst für das Jahr 2027 stellt Melek einen Anstieg über 5.300 US-Dollar in Aussicht, getragen von einer künftigen Lockerung der Geldpolitik und den steigenden US-Schuldenbergen.
Zentralbankkäufe bilden verlässlichen Boden
Eine wesentliche Stütze im Markt bleibt das Kaufverhalten der internationalen Währungshüter. Vor allem die Notenbanken der Schwellenländer bauen ihre Währungsreserven kontinuierlich zugunsten von Gold um, um Abhängigkeiten zu verringern und Bilanzrisiken auszugleichen.
Dieser Trend zeigt sich nicht nur in Asien, sondern auch in europäischen Schwellenländern wie Polen, die ihre Bestände in den vergangenen Monaten zielstrebig aufgestockt haben. Für den breiteren Markt bedeutet dies eine solide physische Nachfragebasis, die stärkere Kursabgaben bislang abfedert und den langfristigen Optimismus der Branchenexperten stützt.
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