Gold: 692 Tonnen in fünf Monaten, +76%

Gold fällt auf 4.052 Dollar, während die Fed-Zinsentscheidung und Chinas Umstieg auf physisches Gold die Märkte bewegen.

Auf einen Blick:
  • Goldpreis fällt um zwei Prozent
  • Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch erwartet
  • China stellt Papiergold-Handel für Privatanleger ein
  • Spekulative Netto-Long-Positionen gehen zurück

Der Goldpreis kommt nicht zur Ruhe. Nach einem Rückgang von 2,00 Prozent auf 4.052,30 Dollar je Feinunze am Freitag suchten Händler am Wochenende nach Orientierung zwischen geldpolitischen Erwartungen und geopolitischen Risiken. Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen: Mit einem RSI von 44,4 zeigt der Wert weder überkaufte noch überverkaufte Tendenzen, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von Ende Januar mittlerweile fast 28 Prozent beträgt. Support-Marken um 4.000 Dollar wurden im Handelsverlauf mehrfach getestet, ohne nachhaltig zu brechen.

Im Zentrum der Unsicherheit steht die Federal Reserve. Am Mittwoch kommender Woche entscheidet die Notenbank über ihren Leitzins, den die meisten Beobachter unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent erwarten. Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte am Freitag, die Notenbank habe „keine Toleranz“ für Inflation und verfolge einen neuen geldpolitischen Kurs. Die Analysten von J.P. Morgan gehen davon aus, dass die Zinsen bis Ende 2026 stabil bleiben und die nächste Erhöhung erst im dritten Quartal 2027 ansteht – ein Szenario, das im Widerspruch zu Markterwartungen steht, die für September eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 82 Prozent einpreisen. Diese Diskrepanz zwischen Notenbank-Kommunikation und Marktpreisen sorgt für die derzeitige Nervosität bei Edelmetallen.

Chinas Kehrtwende beim Papiergold

Eine strukturelle Verschiebung zeichnet sich in China ab. Mehrere große Banken des Landes, darunter ICBC, Postal Savings und Ping An, haben den Handel mit Papiergold für Privatanleger eingestellt. Die Folge: Nachfrage verlagert sich spürbar in Richtung physischer Bestände. Parallel dazu meldeten chinesische Zollbehörden für Juni Goldimporte von 173 Tonnen – der höchste Wert seit März 2024 und ein Anstieg gegenüber den 163 Tonnen im Mai. Für die ersten fünf Monate des Jahres summierten sich die Einfuhren laut den von Bloomberg zitierten Daten auf 692 Tonnen, ein Plus von 76 Prozent im Jahresvergleich. Niedrigere Preise und ein festerer Yuan gelten als treibende Faktoren, ebenso die Nutzung von Importquoten durch heimische Banken.

Diese Entwicklung fällt in eine Phase, in der nordamerikanische Gold-ETFs im Juni Mittelabflüsse verzeichneten, während die asiatische Nachfrage nach Marktbeobachtungen robust blieb. Für Anleger bedeutet das eine geografische Verschiebung der Nachfragebasis, die sich preisstützend auswirken könnte, sollte sie anhalten.

Zentralbanken setzen auf heimische Reserven

Auch auf staatlicher Ebene wächst das Interesse an physischem Gold. Die Notenbanken der Ostafrikanischen Gemeinschaft – Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda, Burundi, Südsudan und Somalia – riefen bei einem Treffen in Kampala dazu auf, heimische Goldkäufe zur Diversifizierung der Reserven auszubauen. Hintergrund sind die Spannungen im Nahen Osten. Kenia selbst hält aktuell lediglich 0,02 Tonnen Gold in seinen Reserven, verfügt aber über Devisenreserven von 13,85 Milliarden Dollar, was einer Importdeckung von 5,6 Monaten entspricht. Indiens Notenbank baut ihre Goldbestände nach Berichten trotz fallender Inlandspreise weiter aus – ein Muster, das sich bereits 2022 zeigte, als Zentralbanken weltweit ein Rekordvolumen von 1.136 Tonnen zukauften.

Positionierung der Spekulanten schrumpft

Auf der Terminmarktseite deutet sich eine vorsichtigere Haltung an. Die Netto-Long-Positionen spekulativer Investoren beim Gold-Future gingen in der Woche bis zum 24. Juli von 186,7 auf 183,9 Tausend Kontrakte zurück, wie aus CFTC-Daten hervorgeht. Der Rückgang passt zum bereits verzeichneten Kursminus seit dem Rekordhoch Ende Januar. Für die kommende Handelswoche dürfte die Fed-Entscheidung am Mittwoch den Ton angeben, während geopolitische Nachrichten aus dem Nahen Osten weiterhin als Risikofaktor im Hintergrund wirken.

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