Gold: 54 Prozent Zinserhöhungs-Wahrscheinlichkeit bis Dezember

Neue US-Militärschläge und steigende Zinserwartungen drücken den Goldpreis. Der PCE-Bericht am Donnerstag könnte die nächste Richtung vorgeben.

Auf einen Blick:
  • Gold fällt unter 50-Tage-Durchschnitt
  • US-Angriffe im Iran belasten
  • Neuer Fed-Chef erhöht Zinsdruck
  • ETF-Abflüsse signalisieren Vorsicht

Hoffnung und Ernüchterung liegen dieser Woche nah beieinander. Während der Goldpreis noch am Montag von Friedenssignalen zwischen den USA und dem Iran profitierte, drücken neue US-Militärangriffe im Südiran die Stimmung wieder nach unten.

Nahost-Eskalation bremst die Rallye

Der Spot-Preis fiel am Dienstag um rund 0,6 Prozent auf etwa 4.544 US-Dollar je Unze. Das klingt nach wenig — trifft aber auf einen Markt, der bereits unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.660 Dollar notiert und seit Jahresbeginn nur knapp vier Prozent im Plus liegt.

Der Auslöser ist klar: US-Präsident Trump hatte noch von einem weitgehend ausgehandelten Rahmenabkommen gesprochen. Es sah eine 60-tägige Waffenruhe und die Wiederöffnung der Straße von Hormus vor. Außenminister Rubio stellte jedoch klar, die USA würden entweder ein gutes Abkommen schließen oder „einen anderen Weg“ finden. Die US-Blockade iranischer Häfen läuft weiter — bis zur endgültigen Unterzeichnung.

Die Folge: Brent-Rohöl stieg um rund zwei Prozent. Neue Inflationssorgen drückten auf das Edelmetall.

Neuer Fed-Chef, härtere Zinspolitik

Kevin Warsh wurde offiziell als neuer Vorsitzender der Federal Reserve vereidigt. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 54 Prozent für eine weitere Zinserhöhung bis Dezember ein. Für Gold ist das strukturell ungünstig: Das unverzinste Edelmetall verliert gegenüber festverzinslichen Anlagen an Attraktivität, wenn die Zinsen steigen.

Der US-Dollar reagierte stabil auf die Nachrichtenlage. Am Donnerstag folgt der PCE-Inflationsbericht für April — der wichtigste Datenpunkt für die nächste Zinsentscheidung der Fed.

ETF-Abflüsse signalisieren Vorsicht

Institutionelle Anleger nehmen Gewinne mit. Die Bestände des SPDR Gold Trust sanken auf 1.034,85 Tonnen — den niedrigsten Stand seit dem 8. Mai. Das ist kein Massenausstieg, aber ein Signal für kurzfristige Vorsicht.

Silber, Platin und Palladium gaben ebenfalls nach, jeweils zwischen 0,5 und 0,8 Prozent. Der gesamte Edelmetallsektor steht unter Druck.

Gold bleibt damit in einem engen Spannungsfeld: Geopolitische Risiken stützen die Nachfrage grundsätzlich, während steigende Zinserwartungen und Gewinnmitnahmen den Preis deckeln. Der PCE-Bericht am Donnerstag dürfte die nächste Richtungsentscheidung bringen.

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