Nach einem Wochenverlust von rund 2,5 Prozent rutschte die Feinunze am Freitag zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar, bevor sie sich zum Wochenschluss deutlich erholte. Zum Handelsende notierte Gold bei 4.021,30 US-Dollar, ein Plus von 1,03 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht bleibt aber ein Minus von 3,63 Prozent stehen, seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 7,19 Prozent zu Buche.
Iran-Konflikt und Fed-Kurs treiben die Volatilität
Auslöser der jüngsten Turbulenzen ist die Eskalation zwischen den USA und Iran. Nach einem Angriff auf eine Ölanlage in Kuwait und Berichten über Zwischenfälle in der Straße von Hormus zog der Brent-Ölpreis auf über 90 US-Dollar je Barrel an. Israels Armee meldete zudem einen iranischen Raketenbeschuss auf die jordanische Küstenstadt Akaba, bei dem laut US-Angaben amerikanische Soldaten getötet wurden – Flughafen und Hafen der Stadt wurden vorsorglich evakuiert, während Jordanien den Vorfall dementierte.
Parallel dazu bleibt die US-Notenbank auf hawkishem Kurs. Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte, der Kampf gegen die Inflation sei „noch lange nicht vorbei“, und sprach von „keiner Toleranz für dauerhaft erhöhte Inflation“. Vize-Notenbankchef Jefferson stellte eine Zinserhöhung in Aussicht, sollte sich die Teuerung nicht bald abkühlen, Dallas-Fed-Präsidentin Logan forderte sogar explizit höhere Zinsen. Zur Sitzung am 28. und 29. Juli erwartet der Markt zwar überwiegend unveränderte Zinsen, doch für die Zeit bis Jahresende preisen Anleihehändler weiterhin eine Straffung ein. Steigende Ölpreise durch den Nahost-Konflikt und milliardenschwere Investitionen in KI-Infrastruktur nähren zusätzlich die Sorge vor anhaltendem Preisdruck – ein Umfeld, das zinslose Anlagen wie Gold grundsätzlich unattraktiver macht.
China-Nachfrage stützt den Preis langfristig
Dem strukturellen Kaufinteresse der Zentralbanken kommt in dieser Gemengelage besondere Bedeutung zu. Nach Berechnungen von Goldman Sachs kaufte China im Mai rund 48 Tonnen Gold über den Londoner OTC-Markt – fast das Fünffache der offiziell gemeldeten 10 Tonnen. Die People’s Bank of China verlängerte ihre Kaufserie damit auf 20 aufeinanderfolgende Monate, die längste seit über einem Jahrzehnt. Goldman Sachs geht von monatlichen Zentralbankkäufen in Höhe von 50 Tonnen im laufenden Jahr und 40 Tonnen 2027 aus und hält an einem Kursziel von 4.900 US-Dollar je Unze bis Ende 2026 fest.
Auch die Analysten von Bank of America sehen 2026 zwar als potenziell „verlorenes Jahr“ für Gold, bleiben aber langfristig bullisch gestimmt. Als Treiber nennt das Institut die anhaltende Zentralbanknachfrage, wachsende Sorgen um Staatsschulden sowie die fortschreitende Diversifizierung von Währungsreserven weg vom US-Dollar. Die jüngste Korrektur werte Bank of America als verbesserte Einstiegsbewertung.
Analysten uneins über die kurzfristige Richtung
Kurzfristig gehen die Einschätzungen deutlich auseinander. Eine Kitco-Umfrage unter Wall-Street-Analysten ergab, dass fast 79 Prozent für die kommende Handelswoche mit weiter fallenden Preisen rechnen. Die CPM Group empfahl explizit eine Short-Position bei 3.980 US-Dollar mit einem Kursziel von 3.820 US-Dollar, sollte die 4.000-Dollar-Marke endgültig brechen. Die Rohstoffanalysten von ANZ verorten die Unterstützungszone dagegen bei 3.800 bis 4.000 US-Dollar. Andere Häuser verweisen auf eine mögliche Bodenbildung durch technisch überverkaufte Bedingungen.
Ein Blick auf die technische Lage stützt diese Einschätzung teilweise: Der Relative-Stärke-Index auf 14-Tage-Basis liegt bei 40,6 und signalisiert damit keine akute Überverkauftheit, aber auch keinen überkauften Zustand. Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar, erreicht am 29. Januar 2026, beträgt der Abstand aktuell 28,53 Prozent – ein Hinweis darauf, wie weit sich der Markt von den Höchstständen des Jahres bereits entfernt hat. Für die kommende Woche richten sich die Blicke der Marktteilnehmer nun auf die EZB-Zinsentscheidung, neue US-Einkaufsmanagerindizes sowie die Fed-Sitzung Ende Juli, die über die weitere Richtung des Goldpreises mitentscheiden dürften.
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