Gold gerät ausgerechnet dort unter Druck, wo der Markt zuletzt auf Entlastung gehofft hatte: bei den US-Zinsen. Der starke Arbeitsmarktbericht hat die Spekulation auf eine lockerere Fed-Politik gedämpft. Der Gegenpol bleibt die robuste Nachfrage der Notenbanken — vor allem aus China.
Am Freitag schloss Gold bei 4.364,00 US-Dollar und verlor damit 3,09 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 4,51 Prozent. Das ist kein kleiner Rücksetzer mehr, sondern ein klarer Stimmungswechsel.
US-Daten drehen den Zinsblick
Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai fiel stärker aus als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden 172.000 neue Stellen, während die beiden Vormonate um insgesamt 93.000 Jobs nach oben korrigiert wurden. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent.
Auch die Löhne lieferten kein Entspannungssignal. Die Stundenlöhne stiegen um 0,3 Prozent und stützen damit die Sorge, dass der Inflationsdruck hartnäckiger bleibt. Laut CME FedWatch-Tool preist der Markt inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von fast 48 Prozent für eine Zinserhöhung bis zum Jahresende ein.
Für Gold ist das heikel. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Steigende Renditen bei US-Staatsanleihen erhöhen deshalb die Opportunitätskosten und machen Gold kurzfristig weniger attraktiv.
Notenbanken bleiben die Stütze
Auf der physischen Nachfrageseite sieht das Bild anders aus. Die chinesische Zentralbank hat ihre Goldreserven im April bereits zum 18. Mal in Folge erhöht. Der Zukauf lag bei rund 8,1 Tonnen, die offiziellen Bestände stiegen auf etwa 2.322 Tonnen.
Das ist mehr als ein taktischer Kauf. Marktbeobachter deuten Chinas Vorgehen als Teil einer langfristigen Diversifizierung weg vom US-Dollar. Diese Nachfrage reagiert weniger empfindlich auf tägliche Renditeschwankungen als viele Finanzinvestoren.
Auch andere Notenbanken kaufen weiter zu. Im ersten Quartal 2026 erwarben Zentralbanken weltweit netto geschätzt 244 Tonnen Gold. Polen stach mit einer Aufstockung um 31 Tonnen hervor.
Damit bleibt der Markt zweigeteilt. Kurzfristig drücken Zinsen und Dollar-Erwartungen. Strukturell hält die offizielle Nachfrage dagegen.
Technik angeschlagen, Geopolitik bleibt relevant
Charttechnisch hat sich das Bild verschlechtert. Gold notiert inzwischen 5,94 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.639,68 US-Dollar. Der RSI liegt bei 35,0 und signalisiert damit eine angeschlagene, aber noch nicht extrem überverkaufte Lage.
Wichtig bleibt nun der Bereich um den 200-Tage-Durchschnitt. Diese Linie verläuft bei etwa 4.432 US-Dollar und wurde zuletzt unterschritten. Gelingt keine schnelle Rückkehr darüber, rückt die Zone um 4.300 US-Dollar als nächste Unterstützung näher.
Auf der Oberseite liegt der erste markante Widerstand im Bereich von 4.550 US-Dollar. Bis dahin dürfte jeder Erholungsversuch am Zinsthema gemessen werden. Das gilt besonders, solange starke US-Daten die Fed-Fantasie bremsen.
Geopolitische Risiken liefern weiter Unterstützung. Die Spannungen im Nahen Osten und die faktische Blockade der Straße von Hormus halten Risikoprämien im Markt. Berichte über mögliche diplomatische Fortschritte zwischen den USA und dem Iran können diese Nachfrage zeitweise dämpfen, nehmen das Inflationsrisiko über höhere Ölpreise aber nicht vom Tisch.
In der neuen Woche stehen die US-Verbraucherpreisdaten im Mittelpunkt. Fallen sie erneut hartnäckig aus, bleibt der Druck auf Gold hoch; eine Rückeroberung der Zone um 4.432 US-Dollar würde dagegen das technische Bild kurzfristig stabilisieren.
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