Gold: 45% der Zentralbanken wollen aufstocken

Trotz Zinserhöhungsängsten und starkem Dollar kaufen Notenbanken weiter Gold. Goldman Sachs sieht den langfristigen Aufwärtstrend intakt.

Auf einen Blick:
  • Rekordhohe Kaufabsicht bei Zentralbanken
  • Goldman Sachs hält an 4.900-Dollar-Kursziel fest
  • Fed-Politik und Dollar belasten den Goldpreis
  • Entscheidung an der 4.000-Dollar-Marke steht an

Knapp 30 Prozent unter seinem Januarhoch, aber mit einer historisch hohen Kaufabsicht bei Zentralbanken im Rücken — Gold steckt in einem scharfen Widerspruch. Der Preis kämpft an einer kritischen Marke. Die strukturellen Treiber zeigen in die andere Richtung.

Zentralbanken kaufen so viel Gold wie nie

Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council unter 76 Zentralbanken zeigt: 45 Prozent wollen ihre Goldbestände in den nächsten zwölf Monaten aufstocken. Das ist ein neuer Höchststand in der Erhebung. Vor allem Schwellenländer treiben die Bewegung voran. Ihr Ziel ist die Diversifizierung weg vom US-Dollar.

Diese strukturelle Nachfrage wirkt als Puffer nach unten. Seit 2022 hat Gold bereits rund 120 Prozent zugelegt — getragen von staatlichen Käufern, die westliche Finanzaktiva gezielt meiden.

Goldman Sachs hält am Kursziel fest

Analyst Samantha Dart von Goldman Sachs sieht den langfristigen Bullenmarkt trotz der Korrektur als intakt an. Das Kursziel bleibt bei 4.900 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2026. Die Begründung: Kurzfristiger Zinsdruck und strukturelle Nachfrage sind zwei verschiedene Dinge. Staatliche Käufer entkoppeln sich von westlichen Finanzmärkten — das bleibt der entscheidende Treiber.

Fed-Druck und starker Dollar bremsen

Der zyklische Gegenwind kommt von der US-Notenbank. Fed-Chef Kevin Warsh hat die PCE-Inflationsprognose für 2026 auf 3,6 Prozent angehoben. Spielraum für Zinssenkungen? Kaum vorhanden. Märkte preisen eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende ein.

Das belastet Gold doppelt. Ein starker Dollar verteuert das Metall für internationale Käufer. Staatsanleihen werfen wieder Rendite ab — Gold nicht. Kein Wunder, dass der Preis seit Jahresbeginn rund sieben Prozent verloren hat.

Entscheidung an der 4.000-Dollar-Marke

Technisch läuft alles auf eine Schlüsselentscheidung hinaus. Gold schloss gestern bei 4.035 US-Dollar — knapp über der psychologisch wichtigen 4.000er-Marke. Der RSI liegt bei 34, damit im überverkauften Bereich. Das erhöht die Chance auf eine kurzfristige Stabilisierung.

Hält die 4.000 nicht, droht ein Rückfall in Richtung 3.879 US-Dollar. Das 52-Wochen-Tief bei 3.901 Dollar ist nur drei Prozent entfernt. Ein Anstieg über den Widerstand bei 4.106 US-Dollar würde hingegen den seit April laufenden Abwärtstrend brechen — und das Bild deutlich aufhellen.

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